Der Sportartikelhersteller Nike steht vor einem bedeutenden Einschnitt an der Börse. Wie S&P Dow Jones Indices am Freitag mitteilte, wird der Konzern mit Wirkung zum 21. September aus dem renommierten S&P 100 Index gestrichen.
Die Entscheidung folgt auf eine lang anhaltende Schwächephase der Aktie, die inzwischen rund 18 Jahre lang Teil dieses Auswahlindex war. Während das Unternehmen seinen Platz im breiteren S&P 500 behält, markiert dieser Abstieg einen Tiefpunkt in der jüngeren Konzerngeschichte.
Schwache China-Zahlen belasten die Bilanz
Hintergrund der Index-Anpassung ist der erhebliche Rückgang der Marktkapitalisierung. Seit seinem Rekordhoch im Jahr 2021 hat das Unternehmen Schätzungen zufolge mehr als 220 Milliarden US-Dollar an Börsenwert eingebüßt. Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung ist die schwache Performance auf dem chinesischen Markt. Im Geschäftsjahr 2026 sank der Umsatz in China währungsneutral um elf Prozent. Besonders deutlich wurde die Krise im vierten Quartal, als die Erlöse in dieser Region sogar um 17 Prozent einbrachen.
Auch die strategische Ausrichtung auf den direkten Online-Vertrieb konnte die Verluste nicht auffangen. Während die Sparte Nike Direct einen Umsatzrückgang von sieben Prozent auf 4,1 Milliarden US-Dollar verbuchte, sank das digitale Geschäft sogar um zwölf Prozent. Lediglich der Großhandel erwies sich mit einem Plus von vier Prozent als stabiler Anker. Insgesamt stagnierte der Jahresumsatz des Konzerns bei etwa 46,4 Milliarden US-Dollar.
Analysten sehen weiteren Anpassungsbedarf
Die Experten der Investmentbanken reagieren skeptisch auf die aktuellen Zahlen und den Index-Ausschluss. Die Analysten von JPMorgan bewerten das Papier weiterhin mit „Underweight“ und haben ein Kursziel von 40 US-Dollar ausgegeben. Das Haus Truist stuft die Aktie auf „Hold“ ein und setzt das Ziel bei 42 US-Dollar an. Der Druck auf das Management unter CEO Elliott Hill wächst, zumal für die erste Hälfte des kommenden Geschäftsjahres bereits weitere Umsatzrückgänge in Aussicht gestellt wurden.
Hill selbst geriet zuletzt durch eine Aktienveräußerung in den Fokus, bei der er 9.462 Anteile abgab. Laut Unternehmensangaben handelte es sich hierbei jedoch nicht um einen aktiven Verkauf am freien Markt, sondern um einen obligatorischen Steuerabzug im Zusammenhang mit der Zuteilung von Aktienprämien.
Dennoch spiegelt die Transaktion die angespannte Lage wider, während Konkurrenten wie Hoka oder On gleichzeitig zweistellige Wachstumsraten verzeichnen.
Technische Folgen des Index-Abschieds
Für Anleger hat der Ausschluss aus dem S&P 100 auch technische Konsequenzen. Indexfonds, die den S&P 100 abbilden, sind nun gezwungen, ihre Positionen in Nike-Aktien zu liquidieren. Gemeinsam mit Nike verlassen auch Honeywell Aerospace und Colgate-Palmolive den Index, während Technologiewerte wie Dell und Palo Alto Networks aufrücken. Dieser Austausch unterstreicht den derzeitigen Wandel in der Bewertung klassischer Konsumgütermarken gegenüber wachstumsstarken Tech-Unternehmen.
An der Börse hinterlässt die Nachrichtenlage deutliche Spuren. Seit Jahresbeginn verzeichnet die Aktie ein Minus von 37 Prozent. Das Papier notiert derzeit gefährlich nahe an seinem 52-Wochen-Tief, das bei 32,67 Euro liegt. Damit hat sich die Situation drastisch verschlechtert: Vom 52-Wochen-Hoch trennt den Wert inzwischen ein Abstand von 50 Prozent.
Angesichts der fundamentalen Probleme in China und der schwächelnden Digitalstrategie bleibt das Marktumfeld für den Weltmarktführer vorerst schwierig.
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