Berenberg zieht bei Nike die Reißleine. Die Privatbank stuft den Sportartikelkonzern von „Hold“ auf „Sell“ ab und halbiert das Kursziel nahezu: von 49 auf 27,50 Dollar. Der Grund liegt weniger in den jüngsten Zahlen als in einer grundsätzlichen Neubewertung der Marktposition.
Kleinere Rolle im Sportswear-Geschäft
Analyst Nick Anderson überschreibt seine Studie mit „Zurück auf Start“. Nike habe offenbar akzeptiert, im Bereich Sportbekleidung eine kleinere Rolle zu spielen. Als Indiz wertet er den Plan, das Sportswear-Geschäft künftig um kleinere Fokusfelder zu organisieren. Das deute darauf hin, dass sich die Marktstruktur gegen den Konzern verschoben habe.
Sinkende Eintrittsbarrieren zwingen etablierte Anbieter laut Anderson dazu, sich in fragmentierten Nischen mit immer mehr Herausforderern zu messen. Wer das nicht tue, riskiere Marktanteile. Der Bewertungsaufschlag der Aktie erscheine deshalb nicht mehr angemessen. Anderson kürzte zudem seine Umsatz- und Gewinnprognosen, nicht zuletzt wegen des für das Geschäftsjahr angekündigten Umsatzrückgangs.
Performance stark, Lifestyle schwach
Das Geschäft ist zweigeteilt. Die Performance-Sparte wuchs im ersten Quartal im hohen einstelligen Prozentbereich. Laufen, Fußball, Basketball in Nordamerika, Tennis und Golf legten jeweils zweistellig zu.
Die größere Kategorie Sportswear, die knapp die Hälfte des Konzernumsatzes ausmacht, schrumpfte dagegen im niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Der Umsatz der Marke Jordan fiel im mittleren zweistelligen Bereich. Genau dieses Gewicht der schwächelnden Sparte ist der Kern von Andersons Skepsis.
Reaktion an der Börse
Die Aktie gab vorbörslich um gut ein Prozent nach und notierte zeitweise bei 33,55 Dollar. Das ist ein moderater Rücksetzer. Die Abstufung ist jedoch kein Einzelfall: Zuletzt hatten bereits mehrere andere Häuser ihre Kursziele gesenkt.
Mit 27,50 Dollar liegt Berenbergs Ziel rund 18 Prozent unter dem vorbörslichen Kurs. Das Haus setzt damit auf weiteren Druck, solange der Konzern im Lifestyle-Segment keine Trendwende zeigt. Die Stärke im Performance-Bereich reicht aus Sicht der Bank nicht aus, um den Rückgang in der größeren Sportswear-Sparte aufzufangen.
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