Die Durststrecke beim Sportartikelhersteller Nike zieht sich länger hin als von vielen Marktteilnehmern erhofft. Nachdem das Analysehaus HSBC am 14. Oktober sein Kursziel für die Aktie von 40 $ auf 34 $ reduzierte und die Einstufung auf „Hold“ beließ, wächst die Skepsis am Kapitalmarkt. Im Frankfurter Handel liegt der Titel mit 33,47 Euro spürbar unter früheren Niveaus.

Ratingagentur warnt vor längerer Ertragsflaute

Zusätzlichen Druck erzeugte die Ratingagentur Moody’s am 15. Oktober. Zwar bestätigte die Agentur das Kreditrating von Nike mit A2, senkte jedoch den Ausblick auf negativ.

Zur Begründung verwies Moody’s auf die Erwartung, dass Umsatz und Gewinn des Konzerns über das Geschäftsjahr 2027 hinaus und bis in das Geschäftsjahr 2028 hinein rückläufig bleiben dürften. Damit droht dem Konzern eine mehrjährige Phase gedämpfter operativer Ergebnisse, bevor geplante Gegenmaßnahmen voll greifen.

Die jüngsten Anpassungen der Finanzexperten treffen auf ein bereits angeschlagenes Papier. Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie einen Rückgang von 36 Prozent und bewegt sich damit weiterhin in der Nähe ihres Jahrestiefs. Anleger verlangen nach greifbaren Signalen, wie das Management den Rückgängen begegnen will.

Lokale Produktinitiativen in Schlüsselmärkten

Um das Geschäft wieder anzukurbeln, setzt Nike verstärkt auf eine regionale Differenzierung. Am 13. Oktober präsentierte das Unternehmen seine ersten speziell auf den chinesischen Markt ausgerichteten Kollektionen („Local Creation Collections“).

Die beiden Produktlinien wurden von einem neu geschaffenen lokalen Entwicklerteam entworfen und sollen ab dem 12. November in den Handel kommen. China gilt für den Konzern traditionell als wichtiger Absatzmarkt, verlangt jedoch angesichts veränderter Konsumgewohnheiten nach maßgeschneiderten Angeboten.

Parallel dazu treibt der Konzern den langfristigen Ausbau seiner internationalen Infrastruktur voran. Anfang Oktober gab das Unternehmen Pläne für einen globalen Campus im indischen Bengaluru bekannt. Der Standort soll in den kommenden Jahren eröffnen und administrative Rollen über die Marken Nike, Jordan Brand und Converse hinweg bündeln.

Einbehalt von Aktien bei der Führung

Auf Führungsebene gab es unterdessen eine formale Pflichtmitteilung. Wie aus einer Meldung hervorgeht, wurden am 14. Oktober beim Chief Executive Officer Elliott Hill 5.635 Class-B-Stammaktien einbehalten.

Dieser Schritt diente der Begleichung von Steuerverpflichtungen im Zusammenhang mit dem Fälligwerden von Aktienvergütungen (Restricted Stock Units). Aus der Einreichung geht hervor, dass es sich hierbei nicht um eine Transaktion am offenen Markt handelte.

Der Weg zurück zu alten Wachstumsraten bleibt für das Traditionsunternehmen steinig. Die Kombination aus vorsichtigen Einstufungen der Analysten, einem eingetrübten Bonitätsausblick und dem zeitintensiven Aufbau neuer regionaler Strukturen verlangt den Anteilseignern Geduld ab. Ob die kommenden Produktstarts im Spätherbst für erste Impulse sorgen können, wird der Markt in den kommenden Wochen genau beobachten.