CEO Elliott Hill wollte Nike zurück an die Spitze führen. Fast zwei Jahre nach seinem Amtsantritt ist der Weg dorthin noch weit — und die Ergebnisse des vierten Geschäftsquartals zeigen, warum.

Auf dem Papier hat Nike die Erwartungen übertroffen: Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 20 Cent und übertraf damit die Analystenschätzungen von 13 Cent. Der Quartalsumsatz belief sich auf rund 11 Milliarden Dollar. Allerdings steckt hinter dem Gewinnsprung ein Sondereffekt — ein Zollrückerstattungseffekt von knapp einer Milliarde Dollar verzerrte das Bild erheblich. Ohne ihn wäre das Ergebnis deutlich bescheidener ausgefallen.

China bleibt das größte Problem

Das China-Geschäft entwickelt sich weiterhin rückläufig. Im Berichtsquartal schrumpften die Erlöse in der Region um 17 Prozent in konstanten Wechselkursen — nach einem Minus von 10 Prozent im Vorquartal. Zwar hatte das Unternehmen selbst mit einem Rückgang von 20 Prozent gerechnet, die Verbesserung gegenüber der eigenen Prognose ändert aber wenig am Grundproblem: Lokale Konkurrenten wie Anta und Li Ning gewinnen Marktanteile, und die Lagerbestände im chinesischen Handel sind noch immer zu hoch. Greater China macht rund 15 Prozent des Jahresumsatzes aus — zu bedeutend, um die Schwäche dort abzutun.

Positiv stach Nordamerika heraus. Der größte Markt legte im Quartal um 3 Prozent zu, gestützt durch den Wiederaufbau der Wholesale-Beziehungen, die unter Hills Vorgänger stark zurückgefahren worden waren.

Ausblick bleibt gedämpft

Für das erste Halbjahr des Geschäftsjahres 2027 erwartet das Management weitere Umsatzrückgänge im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich — gewollt, weil Nike aktiv Promotionen zurückfährt und minderwertige Verkäufe reduziert. Hill selbst räumte ein, dass die Fortschritte „weiterhin uneinheitlich“ verlaufen. Tarife bleiben ein Kostenbelastungsfaktor, und der Verbraucher zeigt sich weltweit zurückhaltend.

Bernstein SocGen hat nach den Zahlen das Kursziel auf 72 Dollar gesenkt (zuvor 80 Dollar), hält aber an der Outperform-Einstufung fest. Guggenheim hat das Ziel auf 60 Dollar reduziert bei einer weiterhin positiven Bewertung. Die Analysten sehen den eigentlichen Wendepunkt erst im zweiten Halbjahr des Geschäftsjahres 2027, wenn das laufende Transformationsprogramm ausläuft und eine stärkere Produktpipeline — unter anderem in den Bereichen Running, Basketball und Lifestyle — greifen soll.

Der nächste konkrete Orientierungspunkt ist ein Investorentag im November, bei dem das Management erstmals einen mittelfristigen Wachstumsplan vorlegen will. Erst ab dem Geschäftsjahr 2028 rechnen Analysten mit einem echten Normalzustand: Umsatzwachstum und Margenverbesserung gleichzeitig.