Nokia meldet einen kräftigen Wachstumsschub im KI-Geschäft. Trotzdem stürzt die Aktie ab. Der Widerspruch erklärt sich aus einem Blick unter die Oberfläche der Quartalszahlen.
Im zweiten Quartal 2026 sprangen die Nettoumsätze mit KI- und Cloud-Kunden um 105 Prozent auf 446 Millionen Euro. Der finnische Telekomausrüster profitiert damit sichtbar vom sogenannten „KI-Supercycle“ – dem massiven Ausbau von Rechenzentren und Netzinfrastruktur durch die großen Cloud-Anbieter. Das Segment Network Infrastructure wuchs währungsbereinigt um 12 Prozent, angetrieben von optischen Netzwerken mit einem Plus von 20 Prozent und IP-Netzwerken mit 16 Prozent Zuwachs.
Der Gesamtkonzern wächst dagegen deutlich langsamer. Der Nettoumsatz legte währungsbereinigt nur um 9 Prozent zu. Nokia begründet die Lücke mit einer schwankenden Nachfrage im klassischen Telekomgeschäft und anhaltenden Lieferengpässen bei Speicherchips, die die gesamte Branche belasten.
Ausblick angehoben, Randgeschäfte abgestoßen
Das Management hebt die Gewinnprognose für 2026 an. Der operative Gewinn soll nun zwischen 2,1 und 2,6 Milliarden Euro liegen, statt der bisherigen Spanne von 2,0 bis 2,5 Milliarden Euro. Ein Teil der Anhebung – rund 100 Millionen Euro – geht allerdings auf eine technische Neubewertung zurück.
Der Grund: Nokia stuft zwei Geschäftsbereiche als „nicht fortgeführte Aktivitäten“ ein. Betroffen sind das Fixed-Wireless-Access-Endgerätegeschäft (FWA CPE) und die Enterprise-Campus-Edge-Sparte. Für die FWA-CPE-Einheit hat Nokia bereits einen Käufer gefunden. Bei Enterprise Campus Edge erwartet der Konzern einen ähnlichen Abschluss. Die Botschaft dahinter ist klar: Nokia konzentriert sich künftig auf seine Kernwachstumsfelder.
Parallel dazu läuft ein umfangreiches Restrukturierungsprogramm. Die Kosten dafür sollen sich 2026 auf etwa 800 Millionen Euro summieren. Der Umbau umfasst eine Straffung der Geschäfte in China sowie eine vereinfachte Organisationsstruktur in Europa – verbunden mit weiterem Stellenabbau in der Region.
Aktie fällt trotz starker KI-Zahlen
An der Börse kommt die Botschaft schlecht an. Die Nokia-Aktie notiert bei 8,52 Euro und hat allein in den vergangenen 30 Tagen fast 30 Prozent verloren. Vom 52-Wochen-Hoch bei 14,97 Euro, erreicht Anfang Juni, trennen das Papier mittlerweile über 43 Prozent.
Der 14-Tage-RSI von 32,1 signalisiert eine Aktie, die sich der überverkauften Zone nähert. Kein Wunder, dass Investoren nach den jüngsten Kursverlusten genauer hinschauen, ob sich hier eine Gegenbewegung anbahnt.
Nokia selbst blickt zuversichtlich auf das vierte Quartal. Saisonale Effekte und die schrittweise Umsetzung des 2,8 Milliarden Euro schweren KI- und Cloud-Auftragsbestands in echten Umsatz sollen dann für einen spürbaren Gewinnsprung sorgen. Die neu gestartete AI-RAN-Plattform befindet sich aktuell in der Pilotphase. Eine vollständige kommerzielle Skalierung plant der Konzern erst für 2027.
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