Nokia hat sich in weniger als einem Jahr neu erfunden. Vom 52-Wochen-Tief bei 3,49 Euro im August 2025 auf aktuell 12,81 Euro — ein Anstieg von rund 267 Prozent. Hinter dieser Bewegung steckt mehr als Markteuphorie.
Cloud und KI als neue Wachstumsmaschine
Das erste Quartal 2026 lieferte den bislang klarsten Beweis für den Strategiewechsel. Der vergleichbare operative Gewinn stieg um 54 Prozent auf 281 Millionen Euro. Den größten Anteil daran hatte das Segment Cloud and Network Services: Dort kletterte der Umsatz um 49 Prozent. Nokia sicherte sich rund eine Milliarde Euro an neuen Cloud-Aufträgen — in einem einzigen Quartal.
Das Festnetzgeschäft schwächelt hingegen. Der Umsatz dort fiel um 13 Prozent. Die laufende Integration von Infinera soll die optischen Netzwerkkapazitäten stärken und diesen Rückstand mittelfristig ausgleichen.
Neue Plattform für Industriekunden
Nokia erweitert seine Digital Automation Cloud deutlich. Die Plattform richtet sich an Häfen, Bergwerke und Produktionsanlagen — also Umgebungen, in denen zuverlässige private Mobilfunknetze entscheidend sind.
Neu hinzugekommen sind hochpräzise Positionierungsfunktionen, Echtzeit-Szenenanalyse und VoIP-Teamkommunikation. Außerdem unterstützt die Plattform jetzt industrielle Protokolle wie PROFINET, EtherCAT und Modbus. Eine neue Anbindung an Microsoft Azure IoT Edge ermöglicht schnellere Datenverarbeitung direkt vor Ort.
Nvidia-Allianz und JP-Morgan-Kursziel
Rückenwind kommt auch von außen. Nvidia hat eine Milliarde Dollar in Nokia investiert und hält damit rund 2,9 Prozent der Anteile. Gemeinsam entwickeln beide Unternehmen KI-native 6G-Plattformen. JP Morgan reagierte auf diese Entwicklung mit einem neuen Kursziel von 21 Dollar — umgerechnet rund 19,50 Euro — und begründete das mit dem wachsenden Bedarf der Hyperscaler nach Netzwerkinfrastruktur.
Der breite Analystenkonsens lautet weiterhin „Outperform“. Das durchschnittliche Kursziel von 10,24 Euro liegt allerdings bereits unter dem aktuellen Kurs. Die Aktie notiert rund 15 Prozent unter ihrem Jahreshoch vom 3. Juni bei 14,97 Euro — und damit in einer Konsolidierungsphase.
Quartalszahlen am 23. Juli
Für das Gesamtjahr 2026 hält Nokia an seiner Gewinnprognose fest: 2,0 bis 2,5 Milliarden Euro vergleichbarer operativer Gewinn. Das langfristige Ziel für 2028 liegt bei 2,7 bis 3,2 Milliarden Euro — vorausgesetzt, die KI-RAN-Technologie skaliert ab 2027 planmäßig.
Am 23. Juli veröffentlicht Nokia die Zahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr. Marktbeobachter erwarten ein Umsatzwachstum von fünf bis neun Prozent gegenüber dem Vorquartal. Ob Nokia diesen Korridor trifft, wird zeigen, wie belastbar der Cloud-Schwung wirklich ist.
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