Nokia meldet für das zweite Quartal einen Gewinnsprung, den kaum jemand so erwartet hat. Der Auslöser: ein regelrechter Ansturm auf KI-Infrastruktur. Die Aktie reagiert trotzdem kaum – sie notiert bei 9,02 Euro, ein Minus von 0,66 Prozent zum Vortag.
Der finnische Netzwerkausrüster legte am Donnerstag Zahlen zum zweiten Quartal und Halbjahr vor. CEO Justin Hotard spricht von einem „AI-Supercycle“ – und die Bestelldaten geben ihm recht.
Bestellungen für KI und Cloud verdreifachen sich
Nokia verbuchte im zweiten Quartal Aufträge im Wert von 2,8 Milliarden Euro aus dem Bereich KI und Cloud. Im Vorquartal waren es noch 1 Milliarde Euro. Der Umsatz in diesem Segment verdoppelte sich nahezu und stieg um 105 Prozent auf 446 Millionen Euro.
Auch die klassische Netzwerksparte zieht an. Network Infrastructure wuchs währungsbereinigt um 12 Prozent, angetrieben von Optical Networks mit einem Plus von 20 Prozent und IP Networks mit 16 Prozent Zuwachs. Nokia berichtet zudem: Die Lieferkapazität wird knapp. Kunden sichern sich deshalb Kapazitäten mit langfristigen Bestellungen.
Operativer Gewinn übertrifft die Erwartungen
Der vergleichbare operative Gewinn kletterte im zweiten Quartal um 18 Prozent auf 434 Millionen Euro. Analysten hatten im Schnitt nur 382 Millionen Euro erwartet. Der vergleichbare Umsatz erreichte 4,815 Milliarden Euro, ein Plus von 8 Prozent im Berichtsjahr.
Die vergleichbare operative Marge stieg um 70 Basispunkte auf 9,0 Prozent. Anders sieht es bei der ausgewiesenen Marge aus: Sie rutschte auf minus 1,0 Prozent ab. Grund sind beschleunigte Restrukturierungskosten und die Neueinstufung einzelner Geschäftsbereiche. Für das Gesamtjahr rechnet Nokia mit Restrukturierungskosten von rund 800 Millionen Euro.
Ausblick angehoben, Dividende bestätigt
Nokia hebt die Jahresprognose leicht an. Der vergleichbare operative Gewinn soll nun zwischen 2,1 und 2,6 Milliarden Euro liegen, zuvor lag die Spanne bei 2,0 bis 2,5 Milliarden Euro. Der Grund ist technischer Natur: Nokia stuft die Sparten Fixed Wireless Access CPE und Enterprise Campus Edge künftig als aufgegebene Geschäftsbereiche ein.
Der Vorstand beschließt außerdem eine Dividende von 0,04 Euro je Aktie. Stichtag ist der 28. Juli 2026, die Auszahlung folgt am 6. August 2026.
Für das dritte Quartal bleibt Nokia vorsichtig. Der Umsatz soll gegenüber dem Vorquartal um 3 bis 7 Prozent wachsen. Der operative Gewinn dürfte dagegen auf Q2-Niveau verharren – die zeitliche Verbuchung von Softwareerlösen bremst hier kurzfristig.
Kurs unter Druck trotz starker Zahlen
Die Kluft zwischen operativem Erfolg und Kursentwicklung fällt auf. In den vergangenen 30 Tagen verlor die Aktie 25,02 Prozent. Auf Zwölfmonatssicht steht dennoch ein Plus von 134,16 Prozent – ein Beleg dafür, wie stark die Rally seit dem Vorjahr war, bevor die jüngste Korrektur einsetzte.
Vom Rekordhoch bei 14,97 Euro, erreicht Anfang Juni, ist der Titel inzwischen 39,75 Prozent entfernt. Das Management sieht darin keinen Grund zur Sorge. Es setzt auf das vierte Quartal, wenn der prall gefüllte KI-Auftragsbestand in Umsatz umschlagen soll – und damit auf den entscheidenden Wachstumsschub zum Jahresende.
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