Nokia hat nach dem heftigen Kurseinbruch im Juli wieder Boden gutgemacht, doch die Substanz der Rally bleibt umstritten. Der Kurs legte in den vergangenen sieben Tagen um 15 Prozent zu und schloss am Freitag bei 9,35 Euro. Zum bisherigen Jahreshoch von 14,97 Euro klafft weiterhin eine Lücke von 38 Prozent.

Starkes Umsatzwachstum, aber schwacher Cashflow

Der Auslöser der Diskussion ist eine aktuelle Analyse zu Nokias zweitem Quartal. Demnach wuchsen Umsatz und Ergebnis je Aktie deutlich, während der freie Cashflow negativ blieb und die Netto-Cash-Position sank. Besonders bemerkenswert: Der Umsatz im Bereich AI & Cloud legte um 105 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu – ein Segment, das Nokia zunehmend als Wachstumstreiber positioniert.

Die Analysten mahnen jedoch, dass die Jahresprognose eine nahezu perfekte Ausführung voraussetzt, während der Auftragseingang schwankt. Genau diese Diskrepanz zwischen Wachstumsstory und Kapitalflüssen erklärt, warum die Aktie trotz eines Kursplus von 67 Prozent seit Jahresbeginn noch nicht als klarer Kauf gilt.

Zur Einordnung: Nach einem Kursanstieg von 162 Prozent im ersten Halbjahr war das Papier im Juli um rund die Hälfte eingebrochen, bevor die jüngste Erholung einsetzte. Diese Achterbahnfahrt zeigt, wie sensibel der Markt auf jede Nachricht rund um die AI-Ambitionen des Konzerns reagiert.

Eine separate Bewertungsanalyse kommt zu einem gemischten Befund: Der intrinsische Wert nach einem Discounted-Cashflow-Modell liegt bei 12,80 US-Dollar gegenüber einem Kurs von 10,76 US-Dollar im US-Handel – rechnerisch eine Unterbewertung von knapp 16 Prozent.

Gleichzeitig notiert Nokia mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 73,6 deutlich über dem Branchendurchschnitt von 33,1. Von sechs gängigen Bewertungschecks bestand die Aktie nur einen einzigen – ein Hinweis darauf, dass die Wachstumsfantasie bereits stark eingepreist ist.

Insider kaufen, Feature-Phone-Sparte bleibt Nebenschauplatz

Auf der Führungsebene zeigt sich Zuversicht: Senior Manager Raghav Sahgal erwarb Anteile im Wert des Volumen-gewichteten Durchschnittskurses von 9,0910 Euro. Solche Insiderkäufe werden von Anlegern häufig als Vertrauenssignal gewertet, auch wenn sie das operative Bild nicht verändern.

Abseits der Kernsparten für Netzwerktechnologie und KI-Infrastruktur hält die Lizenzpartnerschaft mit HMD die Marke Nokia auch im Consumer-Bereich präsent.

HMD hatte bereits Anfang Juli vier neue Feature-Phones mit KI-Unterstützung vorgestellt – die Modelle 200 4G, 210 4G sowie zwei zweite Editionen der Modelle 215 und 235. Sie verfügen über einen On-Device-Assistenten namens Sikey AI, der zunächst 180 Tage kostenfrei nutzbar ist. Für die Kernstory der Aktie spielt dieses Randgeschäft jedoch kaum eine Rolle.

Für Anleger bleibt das Bild zweigeteilt: Das AI-Wachstum überzeugt, die Cash-Generierung noch nicht. Solange Nokia den negativen freien Cashflow nicht in den Griff bekommt, dürfte die Bewertungsdebatte die Kursentwicklung weiter dominieren.