Bank of America hält an ihrer Kaufempfehlung für Nokia fest und sieht zusätzliche Produktionskapazität als Schlüssel für weiteres Wachstum. Die heute bekräftigte Einschätzung verbindet die starke Nachfrage nach KI-Infrastruktur mit einem Vorbehalt: Eine Anhebung der Jahresprognose sei möglich, falls Nokia mehr Kapazität sichern könne. Damit rückt vor dem Quartalsbericht am Donnerstag die Lieferfähigkeit neben den Auftragseingang.
Kaufempfehlung mit Kapazitätsvorbehalt
Bank of America nennt ein Kursziel von 16 €. Die Analysten sehen zusätzliche Aufträge für Switches und die Zusammenarbeit mit Nvidia bei KI-gestützten Funkzugangsnetzen als Wachstumschancen. Zugleich nehmen ihrer Einschätzung zufolge die Engpässe in der Lieferkette zu.
Für Anleger ergibt sich daraus eine wichtige Unterscheidung: Hohe Bestellungen signalisieren Nachfrage, garantieren aber noch keine entsprechend schnelle Umsatzrealisierung. Entscheidend ist deshalb auch, welche Aussagen Nokia zur Fertigung und zur Verfügbarkeit von Komponenten macht.
Die Bank erwartet KI-bezogene Aufträge von mehr als 2 Mrd. €. Davon sollen mindestens 1,6 Mrd. € auf optische Netze und 400 Mio. € auf Switches entfallen.
Damit läge der erwartete Auftragseingang unter dem Niveau des Vorquartals. Die Kaufempfehlung setzt also nicht voraus, dass Nokia bei jeder Veröffentlichung einen neuen Bestellrekord vorlegt. Im Mittelpunkt stehen vielmehr die Umsetzung der Aufträge und die längerfristigen Wachstumsmöglichkeiten.
Im zweiten Quartal 2026 hatte Nokia KI- und Cloud-Aufträge von 2,8 Mrd. € verzeichnet. Etwa die Hälfte davon soll binnen zwölf Monaten ausgeliefert werden, wie Inderes in seiner Vorschau erläutert.
Umsatzwachstum ohne entsprechenden Ergebnissprung
Inderes erwartet für das dritte Quartal 2026 einen Umsatz von 5,019 Mrd. €. Das entspräche einem Wachstum von 6,8 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Beim bereinigten Betriebsergebnis rechnet das Analysehaus mit 435 Mio. €.
Die Vorschau zeichnet damit kein Bild eines unmittelbar durchschlagenden Gewinnschubs. Nokia erwartet, dass der Zeitpunkt von Softwareverkäufen das Ergebnis auf dem Niveau des Vorquartals hält. Für die Bewertung des Berichts wird deshalb wichtig, ob die Aussagen zum weiteren Geschäftsverlauf stärker ausfallen als die kurzfristige Ergebnisentwicklung.
Als Wachstumstreiber sieht Inderes die Netzwerk-Infrastruktur. Deren Umsatz dürfte um 14 % zulegen. Für optische Netze erwartet das Haus ein Plus von 20 %, für IP-Netze einen Anstieg von knapp 20 %.
Die Nachfrage aus dem KI- und Cloud-Geschäft dürfte diese Entwicklung tragen. Zugleich richtet Inderes den Blick auf Komponentenverfügbarkeit und Preise. Diese Faktoren entscheiden mit darüber, wie viel von der Nachfrage in profitables Geschäft übergeht.
Langfristige Ziele unter Erwartungsdruck
Nokia stellt für 2026 ein bereinigtes Betriebsergebnis zwischen 2,1 und 2,6 Mrd. € in Aussicht. Inderes liegt mit seiner Schätzung von 2,39 Mrd. € innerhalb dieser Spanne.
Über die Jahresprognose hinaus steigen jedoch die Erwartungen. Inderes-Chefanalyst Antti Viljakainen bezeichnete die langfristigen Finanzziele heute angesichts der hohen Aktienbewertung als niedrig. Anleger erwarteten positive Aussagen zum langfristigen Ausblick und möglicherweise höhere Ziele.
Bis 2028 strebt Nokia einen vergleichbaren Jahresbetriebsgewinn von 2,7 bis 3,2 Mrd. € an. Für die Netzwerk-Infrastruktur sieht das Unternehmen bis dahin eine Betriebsmarge von 13 bis 17 % vor.
Der Quartalsbericht muss somit mehr leisten als einen Nachweis wachsender Nachfrage. Für die optimistische Einschätzung der Bank of America wäre besonders wichtig, dass Nokia Fortschritte bei den Produktionskapazitäten aufzeigt. Erst dann gewinnt die Aussicht auf eine höhere Jahresprognose eine belastbarere Grundlage.
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