Nokia hat mit den Zahlen zum zweiten Quartal 2026 gezeigt, wie stark das Unternehmen inzwischen von seinem noch jungen KI- und Cloud-Geschäft abhängt. Der Umsatz legte um 372 Millionen Euro zu, davon stammten 226 Millionen von KI- und Cloud-Kunden.

Diese Kundengruppe macht damit erst 9,3 Prozent des Konzernumsatzes aus, liefert aber 61 Prozent des gesamten Wachstums. Genau dieses Missverhältnis nährt derzeit die Debatte darüber, wie nachhaltig die Wachstumsstory tatsächlich ist.

Die Aktie notiert aktuell bei 9,39 Euro und liegt damit rund 7,3 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 10,13 Euro – ein Hinweis darauf, dass der Kurs nach dem starken Lauf der vergangenen Monate zuletzt an Schwung verloren hat. Zum 52-Wochen-Hoch von 14,97 Euro, das Anfang Juni erreicht wurde, klafft weiterhin eine Lücke von 37 Prozent.

Operatives Geschäft solide, Cashflow belastet

Der vergleichbare operative Gewinn stieg im zweiten Quartal um 18 Prozent auf 434 Millionen Euro. Unter dem Strich stand jedoch ein berichteter Verlust von 50 Millionen Euro, und der freie Cashflow fiel mit minus 732 Millionen Euro deutlich negativ aus.

Das Segment Network Infrastructure entwickelte sich mit einem Umsatzplus von 12 Prozent auf 2,037 Milliarden Euro robust, angetrieben von den Bereichen Optical mit 20 Prozent und IP mit 16 Prozent Wachstum. Der Auftragsbestand im KI- und Cloud-Geschäft erreichte 2,8 Milliarden Euro.

Diese Kombination aus wachsendem operativem Ergebnis und schwachem Cashflow erklärt, warum Analysten die Bewertung genauer unter die Lupe nehmen. Zwar bewerten 18 von Analysten befragte Häuser die Aktie mehrheitlich mit „Moderate Buy“ – 13 Kaufempfehlungen stehen drei Halten- und zwei Verkaufsvoten gegenüber.

JPMorgan gehört zu den optimistischeren Stimmen und hatte sein Kursziel bereits im Juni auf 21 US-Dollar angehoben. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt jedoch deutlich niedriger, was zeigt, dass die Einschätzungen innerhalb der Gruppe weit auseinanderliegen.

Rückzug aus China, Vorstoß in die USA

Parallel zur Quartalsbilanz vollzieht Nokia einen strategischen Kurswechsel. Das Unternehmen schließt sein Forschungszentrum im chinesischen Hangzhou und streicht dabei 1.600 Stellen. Als Gründe nennt das Unternehmen einen schrumpfenden Marktzugang, geopolitische Spannungen und eine globale Restrukturierung.

Der Rückzug aus China fällt zeitlich mit einer Hinwendung zu den USA zusammen: Bereits im November hatte Nokia ein Investitionsprogramm über 4 Milliarden US-Dollar für KI-fähige Netzwerktechnologien in den USA angekündigt, entwickelt in Abstimmung mit der US-Regierung.

Laut der finnischen Zeitung Kauppalehti besuchte Ben Black, Chef der US-Entwicklungsbehörde DFC, kürzlich Finnland und traf sich mit der Nokia-Führung. Die Zeitung berichtet, die US-Regierung wolle Nokia stärker im westlichen Lager verankern, eine direkte Investition der DFC gilt demnach jedoch als unwahrscheinlich.

Was das für Anleger bedeutet

Nokia befindet sich in einer Übergangsphase: Das traditionelle Netzwerkgeschäft liefert stabile Erträge, während das KI-Geschäft zwar schnell wächst, aber noch zu klein ist, um die Konzernzahlen allein zu tragen.

Der negative freie Cashflow und der geopolitisch motivierte China-Rückzug zeigen, dass der Umbau nicht ohne Kosten verläuft. Für Anleger bleibt entscheidend, ob sich das momentum im KI-Auftragsbestand von 2,8 Milliarden Euro in den kommenden Quartalen in tatsächlichen Umsatz und positiven Cashflow übersetzt.