Nokia überzeugt im dritten Quartal mit dem Geschäft rund um Rechenzentren, muss aber für sein Sparprogramm tiefer in die Tasche greifen. Statt der zuvor erwarteten 800 Millionen Euro dürften die Restrukturierungskosten im laufenden Jahr bei 1,1 Milliarden Euro liegen. Konzernchef Justin Hotard kürzt zudem die Investitionen.

Operativ stärker als erwartet

Der Umsatz wuchs um zehn Prozent auf 5,15 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis legte um 35 Prozent auf 605 Millionen Euro zu, die Marge stieg auf 11,7 Prozent nach 9,5 Prozent im Vorjahr. Damit schlug Nokia die Erwartungen der Analysten.

Unter dem Strich blieben 156 Millionen Euro, fast doppelt so viel wie vor einem Jahr. Das berichtete operative Ergebnis sank dagegen um 22 Prozent auf 196 Millionen Euro. Der Grund: Restrukturierungsbelastungen von 357 Millionen Euro im Quartal.

KI-Kunden treiben das Wachstum

Den Takt gibt die Sparte Network Infrastructure vor. Ihr Umsatz stieg währungsbereinigt um 15 Prozent, getragen von IP-Netzen mit einem Plus von 43 Prozent und optischen Netzen mit 18 Prozent. Der Umsatz mit KI- und Cloud-Kunden schoss um 123 Prozent nach oben, der Auftragseingang aus diesem Segment legte um 118 Prozent zu.

Mobile Infrastructure wuchs um fünf Prozent. Ein Teil davon ist allerdings aus dem vierten Quartal vorgezogen. Die Nachfrage der Mobilfunkbetreiber hatte zuletzt geschwächelt, weshalb Hotard den Konzern stärker auf die Vernetzung von Rechenzentren ausrichtet.

Prognose bleibt, Aktie unter Druck

Die Jahresprognose bestätigt Nokia: Das bereinigte operative Ergebnis soll 2026 zwischen 2,1 und 2,6 Milliarden Euro liegen. Für das vierte Quartal erwartet das Unternehmen einen Umsatzanstieg von 20 bis 24 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Die Integration des übernommenen Netzwerkspezialisten Infinera soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein, ein Jahr früher als geplant, mit Nettosynergien von 200 Millionen Euro.

Die Aktie steht trotzdem unter Druck. Vom Jahreshoch bei fast 15 Euro Anfang Juni ging es um 44 Prozent abwärts. Auf Sicht von zwölf Monaten hat der Börsenwert dennoch um rund drei Viertel auf 47 Milliarden Euro zugelegt. Seit September gehört Nokia deshalb wieder zum EuroStoxx 50.

Für 2027 gibt Hotard ein klares Ziel aus: Die kombinierten Geschäfte mit optischen und IP-Netzen sollen um 25 bis 30 Prozent wachsen, gestützt auf die KI-Infrastrukturnachfrage.