Nokia treibt seinen Rückzug aus China voran und stockt gleichzeitig das Restrukturierungsbudget für das laufende Jahr deutlich auf. Der Konzern hat sein Budget für 2026 von 250 Millionen Euro auf 800 Millionen Euro angehoben, wovon rund 350 Millionen Euro allein auf den China-Ausstieg und damit verbundene Abfindungskosten entfallen. Damit wird deutlich, dass der Abschied aus dem chinesischen Festlandmarkt teurer wird als ursprünglich veranschlagt.
Hintergrund ist die Entscheidung, nahezu sämtliche Aktivitäten und Forschungsstandorte in China bis Ende 2026 zu schließen, darunter Standorte in Beijing, Shanghai, Chengdu und Qingdao. Nokia bestätigte, dass sich der regionale Umsatz seit 2018 um mehr als 58 Prozent verringert hat.
Der Rückzug fügt sich in einen breiteren Trend ein: Europäische Netzwerkausrüster werden bei Verträgen mit chinesischen Staatskonzernen zunehmend durch Sicherheitsprüfungen verdrängt, während westliche Länder umgekehrt chinesische Technik aus ihren Netzen entfernen.
Kursreaktion bleibt verhalten
An der Börse kam die Nachricht Ende vergangener Woche negativ an. Die Aktie büßte am Freitag 3,3 Prozent ein und schloss bei 8,84 Euro. Damit notiert das Papier rund 7,3 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 9,54 Euro, während es gegenüber dem 200-Tage-Durchschnitt von 8,26 Euro weiterhin ein Plus von 7,0 Prozent aufweist.
Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Zuwachs von 20 Prozent zu Buche – die China-Neuigkeiten haben die längerfristige Aufwärtsbewegung also gebremst, aber nicht gebrochen.
Insider kauft im großen Stil zu
Parallel zu den Restrukturierungsmeldungen rückte eine Personalie in den Fokus: Victoria Hanrahan, Chief of Staff des Nokia-CEO, erwarb Ende Mai 44.682 Aktien zu einem gewichteten Durchschnittspreis von 15,81 US-Dollar – ein Investment von mehr als 706.000 US-Dollar. Solche Insider-Käufe werden von Anlegern häufig als Vertrauenssignal in die langfristige Strategie gewertet, auch wenn sie zeitlich vor der jüngsten Kursschwäche lagen.
Auch operativ bewegt sich einiges. Nokia übertrug am Donnerstag 3.635.260 eigene Aktien ohne Gegenleistung an Teilnehmer seiner aktienbasierten Vergütungsprogramme. Nach der Transaktion hält der Konzern noch 83.991.222 eigene Aktien im Bestand.
Wachstumsfelder abseits von China
Während sich Nokia aus dem chinesischen Markt zurückzieht, setzt der Konzern verstärkt auf KI-Infrastruktur und Netzwerktechnik der nächsten Generation.
Der Netzwerkausrüster wurde vom Marktforschungsunternehmen Omdia im Bericht „Market Landscape: Core Vendors 2026“ bereits zum zweiten Mal in Folge als Nummer eins bei der Wettbewerbsfähigkeit im Mobile-Core-Portfolio eingestuft, mit Bestnoten in den Kategorien KI/ML und Automatisierung.
Der regionale Netzbetreiber Midco erhielt zudem Nokias „Breakthrough Award“ für ein Glasfaserprojekt mit 200 Terabit Kapazität in North Dakota, das KI-Infrastruktur unterstützt.
Zukunftsweisend ist auch die für Ende 2026 angekündigte Zusammenarbeit mit T-Mobile: Beide Unternehmen wollen dann mit Tests von AI-RAN-Technologie beginnen, einem Baustein auf dem Weg zur 6G-Vermarktung. Diese Initiativen unterstreichen, dass Nokia seinen Rückzug aus China als Teil einer strategischen Neuausrichtung auf wachstumsstärkere Segmente versteht – auch wenn der kurzfristige finanzielle Aufwand dafür beträchtlich ist.
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