Nordex hat am 31. August die Gesamtzahl der Stimmrechte nach § 41 WpHG veröffentlicht – eine Pflichtmitteilung ohne operativen Gehalt. Für Anleger interessanter ist der Blick auf das, was den Aktienkurs seit Wochen tatsächlich bewegt: eine überzeugende Halbjahresbilanz, die dem Kurs bislang wenig Auftrieb verschafft hat.

Kurs unter Druck trotz starker Zahlen

Die Nordex-Aktie schloss am Dienstag bei 37,02 Euro, ein Rückgang von 1,7 Prozent auf Tagesbasis. Auf Wochensicht steht ein Minus von 3,6 Prozent, über 30 Tage summiert sich der Rückgang auf 7,0 Prozent. Damit notiert das Papier rund 28 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 51,40 Euro und auch unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 40,59 Euro. Der RSI von 37 signalisiert eine überverkaufte Marktlage, ohne dass sich daraus zwingend eine Trendwende ableiten lässt.

Diese Schwäche der vergangenen Wochen steht in einem gewissen Kontrast zur fundamentalen Entwicklung des Unternehmens. Ende Juli hatte Nordex für das zweite Quartal 2026 einen Umsatzanstieg von 16,3 Prozent auf rund 2,2 Milliarden Euro gemeldet.

Das EBITDA verdoppelte sich mehr als, von 108,2 Millionen Euro im Vorjahresquartal auf 223,8 Millionen Euro – die Marge kletterte von 5,8 auf 10,3 Prozent. Der Windturbinenhersteller bestätigte damals seine Jahresprognose und verwies auf einen gestiegenen Auftragseingang sowie einen positiven freien Cashflow.

Auftragseingang zieht deutlich an

Besonders im Projektgeschäft zeigte sich die Dynamik: Der Auftragseingang stieg im zweiten Quartal um 32,2 Prozent auf 3.054 Megawatt. Ergänzt wurde dies zuletzt durch neue US-Aufträge mit einer Gesamtkapazität von mehr als 480 Megawatt vor gut drei Wochen sowie einen 77-Megawatt-Auftrag in Rumänien Anfang August – seither hat sich der Kurs allerdings um 7,1 Prozent zurückentwickelt, was zeigt, dass einzelne Auftragsmeldungen den Markt derzeit kaum bewegen.

Auch der Insiderkauf von Finanzvorstand Ilya Hartmann, der vor gut drei Wochen zu Kursen von 40,97 und 40,98 Euro Aktien im Gesamtwert von rund 229.941 Euro erwarb, konnte den Abwärtstrend nicht stoppen – der Kurs liegt seither 8,3 Prozent tiefer.

Wettbewerber liefert Rückenwind für die Branche

Zusätzliches Signal für die Windenergiebranche kam vom dänischen Konkurrenten Vestas Wind Systems, der Mitte August nach starken Zahlen für das zweite Quartal seine Jahresziele anhob. Für Nordex-Anleger ist das ein Hinweis darauf, dass die Nachfrage im Windturbinengeschäft branchenweit robust bleibt – auch wenn sich das noch nicht in der Kursentwicklung von Nordex niederschlägt.

Zur finanziellen Absicherung hatte Nordex bereits Ende Juli seine syndizierte Multi-Währungs-Garantiefazilität auf 2,475 Milliarden Euro ausgeweitet, ESG-gebunden und mit erweiterter Flexibilität. Diese Finanzierungsbasis untermauert die operative Erholung zusätzlich.

Insgesamt zeichnet sich ein Bild ab: Die operativen Kennzahlen von Nordex haben sich im laufenden Jahr deutlich verbessert, während die Aktie in den vergangenen Wochen technisch geschwächt wurde. Mit einem Jahresplus von 27 Prozent bleibt die Gesamtperformance 2026 dennoch positiv, ebenso der Zwölfmonatsvergleich mit einem Anstieg von 82 Prozent.