Nordex verliert heute 2,2 Prozent und notiert bei 37,66 Euro. Damit setzt sich ein Abwärtstrend fort, der die Aktie am Freitag bereits unter ihre 200-Tage-Durchschnittslinie gedrückt hatte. Auslöser ist keine neue Unternehmensmeldung, sondern eine Gemengelage aus skeptischer Analystenlage und branchenweitem Gegenwind für deutsche Windkraft-Zuschläge.

Analysten bleiben zurückhaltend

RBC hatte das Kursziel für Nordex Mitte des Monats von 38 auf 36 Euro gesenkt und das Rating „Underperform“ bestätigt. Auch Barclays blieb trotz einer deutlichen Kurszielanhebung von 15,80 auf 35 Euro bei der Einstufung „Equal Weight“ – die Analysten sahen also selbst nach der Anpassung keinen klaren Kaufanreiz.

Der Barclays-Analyst Sergievskii verwies zugleich auf ein grundsätzliches Problem der Branche: Deutschland stoße beim Windkraftausbau an ökonomische und Machbarkeitsgrenzen, es entstehe ein Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage, unter anderem wegen Bau-Engpässen. Diese Einschätzung stammt aus der dritten Augustwoche und prägt seither die Wahrnehmung des Sektors.

Verstärkt wird das Bild durch die Ausschreibungsdaten der Bundesnetzagentur: Der Zuschlagswert für Wind an Land fiel in der Mai-Runde auf 5,06 Cent je Kilowattstunde, nach 5,54 Cent in der Vorrunde. Sinkende Zuschlagspreise gelten als Signal für zunehmenden Preisdruck im deutschen Windkraftmarkt – ein Umfeld, das Anleger bei einem Hersteller wie Nordex genauer beobachten.

Operatives Geschäft läuft besser als der Kurs vermuten lässt

Fundamental zeigte sich Nordex zuletzt robust. Das zweite Quartal brachte ein EBITDA von 224 Millionen Euro, eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr und über den Erwartungen der Analysten.

Der Umsatz stieg um 16 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro, der Auftragseingang bei Projekten kletterte um 32,2 Prozent auf 3.054 Megawatt. Das Unternehmen bestätigte seine Jahresprognose mit einem Umsatzziel von 8,2 bis 9,0 Milliarden Euro und einer EBITDA-Marge von 8,0 bis 11,0 Prozent.

Auch operativ blieb Nordex zuletzt aktiv: Anfang August sicherte sich das Unternehmen weitere Großaufträge in den USA, Mitte des Monats kam ein Auftrag über 82 Megawatt von der EFG Energy Farming Gruppe in Niedersachsen hinzu. Ein Vorstandsmitglied kaufte zudem Mitte August zwei Aktienpakete zu je 2.806 Stück im Gesamtwert von rund 230.000 Euro – ein Signal, das üblicherweise als Vertrauensbeweis gedeutet wird.

Die Kluft zwischen Zahlen und Kurs

Trotz starker operativer Kennziffern und institutionellem Kaufsignal aus dem eigenen Vorstand hat die Aktie in den vergangenen Wochen an Boden verloren. Der Kurs liegt inzwischen 27 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 51,40 Euro, das im April markiert wurde.

Für Anleger zeigt sich damit ein Auseinanderdriften: Die operativen Daten sprechen für Nordex, die Analystenlage und der sektorweite Gegenwind belasten die Bewertung. Ob sich diese Kluft schließt, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie sich die Zuschlagspreise und die Kapazitätsengpässe im deutschen Windmarkt in den kommenden Monaten entwickeln.