Nordex erhält neue Aufträge, doch die Bewertung der Aktie bleibt umstritten. RBC Capital Markets beließ das Papier gestern vor den Quartalszahlen auf „Underperform“ mit einem Kursziel von 36 Euro. Analyst Mark Fielding verwies auf mögliche politische Vorgaben, die das Geschäft auf dem deutschen Markt erschweren könnten. Damit steht der positiven Auftragslage eine vorsichtige Einschätzung der Rahmenbedingungen gegenüber.
Politische Risiken begrenzen die Zuversicht
Fieldings Vorbehalt richtet sich auf mögliche politische Hürden im deutschen Geschäft. Er beschreibt damit ein Risiko, nicht bereits eingetretene Einschränkungen. Für Anleger ist diese Unterscheidung wichtig: Neue Bestellungen und mögliche Belastungen durch politische Vorgaben betreffen unterschiedliche Seiten der Geschäftsentwicklung.
Die Aktie gewann gestern 3,8% und schloss bei 35,66 €. Der Tagesgewinn steht damit neben der unverändert skeptischen Analysteneinstufung; einen ursächlichen Zusammenhang zwischen beiden gibt es nicht zu behaupten.
Die Bewertung lässt sich deshalb nicht allein auf die jüngsten Bestellungen reduzieren. Die Aufträge belegen Nachfrage nach den Anlagen. Sie beantworten aber nicht automatisch die Frage, welche Auswirkungen mögliche politische Vorgaben auf das deutsche Geschäft haben könnten.
Bestellungen umfassen langfristigen Service
Am Dienstag meldete Nordex Aufträge aus Süd-, Mittel- und Osteuropa für 35 Windenergieanlagen mit zusammen rund 228 MW. Die vereinbarten Serviceleistungen haben Laufzeiten von bis zu 25 Jahren.
Damit reichen die Verträge über die Anlagenbestellungen hinaus. Für die Einordnung der Geschäftsperspektiven ist dieser Serviceanteil relevant: Die Kunden vereinbaren neben den Anlagen auch eine langfristige Betreuung. Daraus lässt sich allerdings noch keine Aussage über die Ergebnisbeiträge der einzelnen Verträge ableiten.
Die Aufträge aus der Türkei umfassen insgesamt 389 MW und die Lieferung sowie Errichtung von 56 Windenergieanlagen. Auch diese Verträge enthalten mehrjährige Service- und Wartungsvereinbarungen.
Beide Auftragspakete verbinden somit das Anlagengeschäft mit längerfristigen Dienstleistungen. Das ist ein konkreter positiver Geschäftsfaktor, der neben Fieldings politischem Risikohinweis steht und diesen nicht automatisch entkräftet.
Für Anleger stehen damit zwei Prüfsteine im Mittelpunkt: die Breite des Auftragseingangs und die möglichen politischen Belastungen im deutschen Markt. Die jüngsten Verträge stützen die Nachfrageseite; RBCs vorsichtige Einschätzung erinnert daran, dass Auftragsstärke allein nicht sämtliche Geschäftsrisiken abbildet.
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