Die neuen Aufträge beantworten nicht alle Fragen zur Bewertung von Nordex. RBC beließ die Aktie am Freitag vor den Quartalszahlen auf „Underperform“. Analyst Mark Fielding verwies auf politische Vorgaben, die das Geschäft auf dem deutschen Markt erschweren könnten. Damit steht neben der Nachfrage nach Windenergieanlagen auch das politische Umfeld im Blickpunkt der Anleger.
RBC richtet den Blick auf Deutschland
Das Kursziel von RBC beträgt 36 Euro. Fieldings Einschätzung richtet sich auf mögliche Belastungen im deutschen Markt. Sie beschreibt ein Risiko und keine bereits eingetretene Verschlechterung des Geschäfts. Die unveränderte Einstufung war zudem keine neue Herabstufung.
Für die Einordnung ist diese Unterscheidung entscheidend: Neue Bestellungen und politische Risiken betreffen unterschiedliche Seiten des Geschäfts. Aufträge belegen Nachfrage. Sie widerlegen aber nicht automatisch mögliche Schwierigkeiten durch politische Vorgaben in einem anderen Markt. Die jüngsten Meldungen von Nordex betreffen die Türkei und mehrere europäische Länder.
Am Freitag gewann die Aktie 3,8% und schloss bei 35,66 € nahezu auf Höhe des RBC-Kursziels. Der Kursanstieg stand damit neben einer weiterhin zurückhaltenden Bewertung des Analysehauses.
Die positive Tagesbewegung ist für sich genommen keine Antwort auf Fieldings Einwand. Für Anleger bleibt die Trennung zwischen tatsächlichen Bestellungen und möglichen Belastungen wichtig. Aus den gemeldeten Aufträgen lässt sich keine Entwarnung für das deutsche Geschäft ableiten.
Bestellungen mit längerem Umsetzungshorizont
Am Mittwoch meldete Nordex türkische Aufträge über insgesamt 389 MW für 56 Windenergieanlagen der Delta4000-Serie. Diese Bestellungen bilden einen konkreten Gegenpol zur vorsichtigen Analysteneinschätzung, betreffen jedoch einen anderen Markt.
Die Verträge umfassen außerdem mehrjährige Service- und Wartungsvereinbarungen. Ihr Umfang geht damit über die Anlagenlieferung hinaus. Die Bedeutung der Meldung liegt sowohl in den bestellten Turbinen als auch in den vereinbarten begleitenden Leistungen.
Aufstellung und Inbetriebnahme sollen gestaffelt 2027 beginnen und bis 2028 laufen. Der vorgesehene Umsetzungshorizont reicht damit über die anstehenden Quartalszahlen hinaus.
Auch die europäischen Bestellungen verbinden Anlagenaufträge mit längerfristigen Serviceleistungen. Sie ergänzen die türkischen Verträge, ohne die von RBC angesprochenen politischen Risiken aufzulösen.
Am Dienstag hatte Nordex Aufträge über rund 228 MW für insgesamt 35 Windenergieanlagen gemeldet. Die vereinbarten Serviceleistungen haben Laufzeiten von bis zu 25 Jahren.
Für die Bewertung ergibt sich deshalb kein einfacher Gegensatz zwischen guten Auftragsmeldungen und skeptischer Analyse. Die Bestellungen stützen die Nachfrageseite; RBC lenkt den Blick auf mögliche Hürden im Deutschlandgeschäft. Beides muss getrennt beurteilt werden.
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