Volle Bücher, schwacher Kurs: Bei Nordex klafft derzeit eine Lücke zwischen operativer Stärke und Marktreaktion. Der Auftragseingang im dritten Quartal legte im Jahresvergleich um knapp 30 Prozent zu. Die Aktie notiert dennoch bei rund 35,50 Euro und steht charttechnisch unter Druck.
Aufträge ohne Kursreaktion
Zuletzt meldete der Windturbinenbauer Bestellungen über 228 Megawatt aus Süd-, Mittel- und Osteuropa. Hinzu kommen 389 Megawatt aus der Türkei, zusammen 91 Anlagen. Die Verträge enthalten teils Servicevereinbarungen mit Laufzeiten von bis zu 25 Jahren, was planbare Einnahmen über lange Zeit verspricht.
Die Börse reagierte gelassen. Marktbeobachter vermuten, dass die Stärke im Auftragseingang längst eingepreist ist. Im Mittelpunkt steht nun die Frage nach der Profitabilität: Preisdruck bei neuen Anlagen und Projektverzögerungen sorgen für Skepsis.
Analysten uneins
Das Analystenbild bleibt gespalten. RBC stuft Nordex auf „Underperform“ mit einem Kursziel von 36 Euro ab und warnt vor möglichen politischen Vorgaben in Deutschland. Goldman Sachs und die Deutsche Bank bleiben dagegen bei „Buy“ und heben ihre Ziele leicht an. Im Schnitt liegt das Kursziel bei 53,40 Euro, deutlich über dem aktuellen Kurs.
Chart mit Warnsignalen
Technisch sieht es schwach aus. Die Aktie fiel unter die 50-Tage- und die 200-Tage-Linie, zudem kreuzte der 50er den 200er von oben nach unten. Chartisten sprechen vom „Todeskreuz“ und werten es als Hinweis auf mögliche weitere Verkäufe. Auf Sicht von 30 Tagen verlor das Papier knapp 10 Prozent, binnen eines halben Jahres über 20 Prozent.
Einen Lichtblick liefert der Relative-Stärke-Index. Er liegt bei 37, zuvor bei 30, und damit nahe der überverkauften Zone. Das spricht für eine mögliche Erholung. Zugleich beobachten Techniker eine Trompeten-Formation, die auf steigende Schwankungen hindeutet.
Bleibt die Erholung aus, rückt die Marke von 30 Euro in den Blick. Darunter wartet bei 25 Euro eine offene Kurslücke, die der Markt häufig schließt.
Fundamental wirkt die Bewertung moderat. Das KGV für 2026 liegt bei rund 17 und damit unter dem Branchenschnitt. Allerdings bleibt die Marge schmal, und der erwartete Cashflow fällt niedriger aus. Den nächsten Anhaltspunkt liefern die Zahlen zum dritten Quartal, die für den 5. November erwartet werden.
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