Der norwegische Bergbaukonzern Nordic Mining ASA steht vor einer existenzkritischen Phase. Wie das Unternehmen am vergangenen Freitag bekannt gab, reichen die derzeitigen Barreserven voraussichtlich nur noch bis zum 4. September 2026 aus.

Um den Betrieb am Schlüsselprojekt Engebø aufrechtzuerhalten, bemüht sich das Management nun um eine Notfinanzierung in Millionenhöhe. Die Nachricht von massiven technischen Problemen und rechtlichen Auseinandersetzungen belastet die Situation zusätzlich, während das Unternehmen unter Hochdruck an einer Stabilisierung arbeitet.

Dramatischer Liquiditätsengpass und Notfinanzierung

Die finanzielle Lage von Nordic Mining hat sich zuletzt drastisch zugespitzt. Um die Liquidität bis mindestens November 2026 zu sichern, plant das Unternehmen eine Aufstockung seiner besicherten Anleihen, um ein Volumen von 10 bis 15 Millionen US-Dollar einzusammeln.

Medienberichten zufolge ist dieser Schritt zwingend erforderlich, da die bisherigen Mittel schneller aufgezehrt wurden als geplant. Ein erster Teilerfolg gelang bereits bei den Gläubigern: Eine Mehrheit von über zwei Dritteln der stimmberechtigten Anleiheinhaber stimmte am vergangenen Freitag zu, die ursprünglich am vergangenen Sonntag fällige Kuponzahlung aufzuschieben.

Diese Atempause ist jedoch an strenge Bedingungen geknüpft. Bis zum 4. September muss eine unabhängige technische Prüfung durch SRK Consulting abgeschlossen sein. Diese Untersuchung gilt als Grundvoraussetzung dafür, dass die Anleihegläubiger die endgültige Zusage für die Notfallfinanzierung erteilen. Sollte der Bericht negativ ausfallen oder sich verzögern, droht dem Unternehmen bereits Anfang nächsten Monats die Zahlungsunfähigkeit.

Produktion am Engebø-Projekt gerät ins Stocken

Hintergrund der finanziellen Schieflage sind erhebliche Verzögerungen beim Hochlauf des Engebø-Projekts, das auf die Gewinnung von Rutil und Granat spezialisiert ist. Technische Herausforderungen bei der Trennung des Rutils sowie Probleme mit Granat-Feinstoffen machten die ursprünglichen Produktionsziele zunicht. Nordic Mining sah sich gezwungen, die Produktionsprognosen deutlich nach unten zu korrigieren.

Um den Betrieb zu retten, hat das Unternehmen einen sogenannten „Ramp-up-Reset“ eingeleitet. Dabei wird die operative Leitung durch den externen technischen Berater Systemex unterstützt, der den Durchsatz der Anlage stabilisieren soll.

Diese Maßnahme folgt auf einen Wechsel im operativen Management, der bereits Anfang des Jahres vollzogen wurde. Ziel ist es, die technischen Mängel in der Aufbereitungskette kurzfristig zu beheben, um den Cashflow aus der Produktion zu sichern.

Rechtliche Hürden und Umweltstreitigkeiten

Zusätzlich zu den wirtschaftlichen Problemen sieht sich Nordic Mining mit juristischem Widerstand konfrontiert. Das Unternehmen Neptun Network STI hat einen Antrag auf eine einstweilige Verfügung gestellt, um die Entsorgung von Bergbauabfällen im Førdefjord zu unterbinden. Nordic Mining kündigte an, sich entschieden gegen diesen Anspruch zur Wehr zu setzen.

Auch auf höchstrichterlicher Ebene bleibt die Lage volatil. Nach einem Urteil des Obersten Gerichtshofs Norwegens, das Genehmigungen für die Abfallentsorgung aufgrund von Verfahrensfehlern für ungültig erklärte, prüft das Ministerium für Klima und Umwelt die Sachlage derzeit neu.

Zwar dürfen die Arbeiten unter den bestehenden Bedingungen vorerst fortgesetzt werden, doch die rechtliche Unsicherheit bleibt ein erheblicher Risikofaktor für potenzielle Investoren.

An der Börse zeigt sich heute eine leichte Erholungsbewegung, wobei die Aktie bei 2,87 NOK notiert und damit ein Plus von 7,5 % verzeichnet. Dennoch bleibt das Vertrauen der Anleger schwer erschüttert: Auf Sicht der letzten 30 Tage steht ein massiver Kursverlust von 37 % zu Buche. Die kommenden Wochen bis zum Fristablauf am 4. September werden darüber entscheiden, ob Nordic Mining den Fortbestand des Unternehmens sichern kann.