Nach der Ankündigung des Mehrheitsaktionärs steuert Northern Data auf einen grundlegenden Eigentümerwechsel zu. Vor gut drei Wochen stellte die Rumble Deutschland AG ein Squeeze-out-Verfahren in Aussicht. Ziel ist die vollständige Übernahme der Anteile der Minderheitsaktionäre gegen Zahlung einer Barabfindung.

Vertragliche Vereinbarungen sahen vor, dass Rumble die erforderliche Schwelle um den 30. September erreicht. Damit rückt das gesellschaftsrechtliche Übernahmeverfahren in das Zentrum der Aufmerksamkeit.

Für außenstehende Anleger leitet dieser Schritt die Endphase der Börsennotiz ein. Das deutsche Aktienrecht knüpft den Ausschluss von Minderheiten an strenge formale Voraussetzungen. Der Hauptaktionär muss dafür nicht nur über die nötige Kapitalmehrheit verfügen, sondern auch ein gesetzlich geregeltes Überprüfungsverfahren durchlaufen.

Die Neuordnung der Aktionärsstruktur

Die personelle und finanzielle Basis für diesen Plan legte eine Transaktion zwischen Großaktionären. Die RUM Group kündigte vor gut drei Wochen an, ein umfangreiches Aktienpaket von Tether Investments zu erwerben. Durch diesen Schritt sollte die Beteiligung an Northern Data von zuvor 85,2 % auf rund 98 % anwachsen.

Tether Investments hatte am 2. September den Erwerb von 8.256.155 Northern-Data-Aktien gemeldet. Auf dieser Grundlage rechnete Rumble Deutschland mit einem Gesamtanteil von rund 98,03 % des Grundkapitals. Diese Quote verschafft dem Mehrheitseigentümer die nötige Mehrheit, um das Ausschlussverfahren formal einzuleiten.

Mit dem Erreichen dieser Beteiligungsmarke verlagert sich das Geschehen auf die gesellschaftsrechtliche Ebene. Die freien Aktionäre haben bei dieser Konstellation kaum rechtliche Handhabe, um den Verlust ihrer Papiere zu verhindern. Ihre Aufmerksamkeit richtet sich daher vor allem auf die finanzielle Entschädigung.

Offene Fragen bei Barabfindung und Zeitplan

Vor dem Vollzug des Verfahrens müssen noch wesentliche Hürden genommen werden. Die konkrete Höhe der Barabfindung ist bislang nicht festgelegt. Zudem erfordert die Maßnahme einen formellen Beschluss der Hauptversammlung. Erst mit der anschließenden Eintragung des Beschlusses in das Handelsregister geht das Eigentum aller restlichen Aktien auf die Hauptaktionärin über.

An der Börse reflektiert der Kurs die veränderte Lage. Das Papier von Northern Data notiert bei 9,00 Euro. Damit liegt die Aktie um 35 % über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 6,68 Euro. Bis zur Bekanntgabe der konkreten Abfindungshöhe bleibt dieser Wert die maßgebliche Orientierungsmarke im Handel.