Novartis verdaut den Entresto-Verlust besser als befürchtet. Der Markt blickt trotzdem schon weiter: auf die Jahre um 2032, wenn gleich zwei Bestseller ihren Patentschutz verlieren.

Remibrutinib im Zentrum

Konzernchef Vas Narasimhan nannte Remibrutinib, den experimentellen MS-Wirkstoff, eines der größten Medikamente in der Geschichte des Unternehmens. Novartis hält an einem Spitzenumsatz von mehr als 4 Milliarden Dollar allein bei schubförmiger Multipler Sklerose fest. Über alle Indikationen hinweg peilt der Konzern mehr als 8 Milliarden Dollar an.

Barclays senkte allerdings zuletzt die Spitzenumsatzschätzung. Detaillierte Daten aus zwei späten Studien zeigten eine geringere Schubreduktion, als Analysten erwartet hatten. Auch Morningstar hält die 4-Milliarden-Marke für möglich, aber nicht für abgesichert. Entscheidend seien der Vergleich mit Roches BTK-Hemmer Fenebrutinib, Preisverhandlungen und die Frage, ob bessere Verträglichkeit Patienten länger in der Therapie hält.

Ein MS-Spezialist der University of Pennsylvania sieht Remibrutinib bei der Schubkontrolle hinter hochwirksamen Antikörpern wie dem eigenen Kesimpta. Die Sicherheit wirke dagegen vielversprechend. Direkte Vergleichsstudien fehlen bislang.

Die größere Frage: 2032

Die Quartalszahlen zeigten Wachstum, obwohl Entresto bereits Schutz verloren hat. Laut Barclays steht für den Markt nun die nächste Klippe im Mittelpunkt. Kisqali und Kesimpta laufen um 2032 aus und stehen zusammen für 18 Milliarden Dollar Spitzenumsatz.

Novartis sieht Remibrutinib deshalb als Ergänzung des MS-Portfolios, nicht als Ersatz für Kesimpta. Für Kesimpta selbst kalkuliert der Konzern weiter mit mehr als 6 Milliarden Dollar Spitzenumsatz. Zielgruppen sind neu diagnostizierte Patienten, Anwender oraler Mittel und wechselwillige Patienten unter Anti-CD20-Therapien. Nach Unternehmensschätzung nehmen rund drei Viertel der wechselfähigen Patienten unter CD20-Medikamenten nicht Kesimpta.

Die Börse sah das zuletzt freundlich. Am Donnerstag trug Novartis gemeinsam mit der UBS den Schweizer Leitindex SMI auf ein neues Rekordhoch.

Termine mit Gewicht

Kurzfristig steht eine Studie zu Hidradenitis suppurativa an, deren Ergebnis vor dem 19. November erwartet wird. Barclays sieht dort 2 Milliarden Dollar Spitzenumsatz, gibt dem Erfolg aber nur 50 Prozent Wahrscheinlichkeit. Die Analysten verweisen auf ein auffälliges Dosis-Wirkungs-Muster in früheren Studien und auf viele gescheiterte Spätphasenstudien in dieser Indikation.

Mitte November legt Novartis zudem seine langfristige Wachstumsstrategie dar. Die RESHAPE-Studie mit Ocrevus-Patienten folgt 2028, Daten zur progressiven MS erst 2031.