Novartis hat mit Fabhalta einen weiteren Zulassungserfolg verbucht. Die US-Arzneibehörde FDA erteilte dem Wirkstoff Iptacopan am 17. Juli 2026 die traditionelle Zulassung, um den Nierenfunktionsverlust bei Patienten mit primärer IgA-Nephropathie zu verlangsamen. Die eigentliche Weichenstellung für den Schweizer Pharmakonzern steht aber erst noch bevor. Im zweiten Halbjahr 2026 kommen die Ergebnisse aus drei entscheidenden Phase-III-Studien – sie sollen die auslaufenden Patente der Bestseller Cosentyx und Kisqali auffangen.
Drei Kandidaten, eine offene Frage
Im Zentrum stehen drei experimentelle Wirkstoffe. Pelacarsen richtet sich gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Remibrutinib gegen Multiple Sklerose und Del-Desiran gegen eine genetische Erkrankung. Alle drei befinden sich in der finalen Testphase vor einer möglichen Zulassung.
Die entscheidende Frage lautet: Erfüllen die Daten aus diesen Studien die hohen Erwartungen des Marktes? Fällt die Antwort positiv aus, dürfte das die Bewertung der Novartis-Aktie in den kommenden Monaten stützen. Enttäuschen die Resultate, wiegt das umso schwerer, weil der Konzern kaum Spielraum für weitere Rückschläge hat.
Bullisches Szenario
Analysten taxieren das gemeinsame Spitzenumsatzpotenzial der drei Wirkstoffe auf über 10 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Diese Summe könnte die Umsatzlücke durch die auslaufenden Patente von Cosentyx und Kisqali in der kommenden Dekade schließen. Fabhalta selbst ist ein neuartiger Komplementinhibitor und liefert bereits einen konkreten Erfolg im Bereich seltener Nierenerkrankungen.
Die Zulassung kam nur wenige Tage vor den jüngsten Quartalszahlen. Das unterstreicht die Innovationskraft des Konzerns zum richtigen Zeitpunkt. Im Juli 2026 kündigte Novartis außerdem die Übernahme von Myricx Bio an.
Der Deal stärkt die Onkologie-Pipeline mit einer neuen Klasse von Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten. Der Abschluss wird für das zweite Halbjahr 2026 erwartet. Das Management bestätigte zudem die Jahresprognose 2026 mit einem niedrigen einstelligen Nettoumsatzwachstum – ein Signal für Vertrauen in die eigene Pipeline.
Bärisches Szenario
Kippen die Studienergebnisse ins Negative, reagiert der Markt in der Forschung und Entwicklung oft schonungslos. Schon kleine Rückschläge in klinischen Studien können deutliche Kurskorrekturen auslösen. Mit einer Marktkapitalisierung von 257,94 Milliarden Euro und einem als hoch eingeschätzten Bewertungsniveau ist Novartis stark auf das Eintreten dieser Wachstumstreiber angewiesen.
Hinzu kommt der Patentablauf wichtiger Medikamente. Das Herzmedikament Entresto verliert 2026 voraussichtlich vier Milliarden US-Dollar Umsatz durch den auslaufenden Patentschutz. Scheitert die Pipeline, vergrößert sich diese Lücke zusätzlich. Der Druck auf die Erträge würde weiter steigen.
Das operative Kernergebnis für das Gesamtjahr 2026 soll ohnehin nur einen niedrigen einstelligen Rückgang verzeichnen. Ein Ausbleiben der erhofften Pipeline-Erfolge würde diesen Trend verschärfen, statt ihn abzufedern.
Ausblick
Die zweite Jahreshälfte 2026 dreht sich für Novartis um die Datenpräsentationen von Pelacarsen, Remibrutinib und Del-Desiran. Bleibt die Erwartungshaltung hoch und bleiben negative Nachrichten aus, könnte die Aktie ihre Konsolidierung fortsetzen. Aktuell notiert sie rund sieben Prozent unter ihrem Rekordhoch von 144,30 Euro aus dem Februar 2026.
Enttäuschen jedoch mehrere der drei Schlüsselkandidaten, dürfte der Markt die Aktie neu bewerten – und zwar nach unten. Anleger dürften die Datenveröffentlichungen der kommenden Monate deshalb genau verfolgen. Sie entscheiden, ob Novartis die Lücke aus auslaufenden Patenten wie Cosentyx, Kisqali und Entresto rechtzeitig schließen kann.
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