Klagen wegen Erblindung, ein verlorener Exklusivstatus bei einem der größten US-Krankenversicherer und ein Kurs, der seit Jahresbeginn fast 15 Prozent verloren hat — Novo Nordisk kämpft an mehreren Fronten gleichzeitig.
Erblindungsrisiko: Tausende Klagen häufen sich
Mehrere US-Anwaltskanzleien, darunter Parker Waichman LLP, haben neue Produkthaftungsklagen gegen den dänischen Pharmariesen eingereicht. Die Kläger behaupten, nach der Einnahme von Wegovy oder Ozempic eine nicht-arteritische anteriore ischämische Optikusneuropathie (NAION) entwickelt zu haben — eine irreversible Augenkrankheit, die zur dauerhaften Erblindung führen kann.
Eine konkrete Klage wurde am 29. Mai 2026 vor dem US-Bezirksgericht für den Eastern District of Pennsylvania eingereicht. Hintergrund ist unter anderem eine Studie des Harvard-Instituts Mass Eye and Ear, die darauf hindeutet, dass Diabetiker, die Semaglutid einnehmen, viermal häufiger NAION entwickeln als Patienten mit anderen Behandlungen. Die Verfahren werden im Rahmen eines Multidistrict-Litigation-Verfahrens (MDL Nr. 3094) gebündelt, in dem inzwischen Tausende Fälle zu gastrointestinalen und ophthalmologischen Schäden anhängig sind.
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CVS Caremark bricht Wegovys Exklusivstellung auf
Ab heute, dem 1. Juni 2026, hat CVS Caremark seine Formularlisten aktualisiert — mit direkten Folgen für Novo Nordisk. Der Pharmacy-Benefit-Manager hat Eli Lillys orales Präparat Foundayo in seine bevorzugte Liste aufgenommen. Wegovy bleibt zwar weiterhin gelistet, verliert aber seinen bisherigen Exklusivstatus.
Ab Oktober 2026 soll Lillys injizierbares Zepbound bei CVS ebenfalls einen breiteren Vorzugsstatus erhalten. Für Novo Nordisk bedeutet das: mehr Preis- und Volumenwettbewerb im GLP-1-Segment — ausgerechnet dort, wo das Unternehmen bislang seine stärkste Wachstumsstory erzählt hat.
Pipeline-Daten und ein unerwarteter Forschungsfund
Auf der ADA Scientific Sessions vom 5. bis 8. Juni 2026 in New Orleans will Novo Nordisk 40 Abstracts präsentieren, darunter Phase-3-Ergebnisse für CagriSema und Phase-2-Daten für Zenagamtide. Das könnte kurzfristig positive Impulse liefern.
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Parallel erschien am 31. Mai in der Fachzeitschrift Fertility and Sterility eine Studie, die bei Frauen mit mindestens zehn Prozent Gewichtsabnahme durch Semaglutid einen durchschnittlichen Rückgang der Testosteronwerte um 51 Prozent feststellte — ein möglicher Ansatz gegen das Polyzystische Metabolische Ovarialsyndrom (PMOS). Novo Nordisk begrüßte die unabhängige Forschung, hat aber keine unmittelbaren Pläne, eine formale Indikation zu verfolgen.
Aktienrückkauf läuft, Kurs bleibt unter Druck
Das Unternehmen hält aktuell rund 35 Millionen eigene B-Aktien als Treasury Shares, was etwa 0,8 Prozent des Gesamtkapitals entspricht. Die Rückkäufe laufen im Rahmen eines 15-Milliarden-DKK-Programms, das im Februar 2026 gestartet wurde und bis Anfang 2027 läuft.
Den Kurs stabilisieren konnte das bislang nicht. Mit 38,15 Euro notiert die Aktie rund 40 Prozent unter ihrem Stand vor zwölf Monaten — und fast 46 Prozent unterhalb des 52-Wochen-Hochs von 70,13 Euro. Ob die ADA-Präsentationen Anfang Juni eine Gegenbewegung anstoßen, wird sich spätestens nach dem 8. Juni zeigen.
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