Bei Novo Nordisk ergibt sich aus klinischen Fortschritten und dem Werbestreit mit Eli Lilly kein einheitliches Bild. Die am 20. Oktober veröffentlichten CagriSema-Auswertungen liefern zusätzliche Wirksamkeitsdaten.

Der juristische Rückschlag betrifft dagegen zunächst nur den beantragten Werbestopp. Für Anleger ist entscheidend, diese unterschiedlichen Aussagen nicht mit einem abschließenden Urteil über Produkte oder Geschäftsentwicklung gleichzusetzen.

CagriSema-Daten unter einer wichtigen Annahme

Novo Nordisk berichtete über zwei nachträgliche Auswertungen der Phase-3-Studie REDEFINE 1. Bei 2.309 Frauen betrug der durchschnittliche Gewichtsverlust unter CagriSema 25,0%, verglichen mit 3,0% unter Placebo.

Diese Ergebnisse beziehen sich auf die Auswertung bei angenommener Therapietreue. Die Voraussetzung gehört damit unmittelbar zur Interpretation der Wirksamkeitszahlen. Es handelt sich zudem um nachträgliche Analysen der Studie und nicht um Ergebnisse einer neuen eigenständigen Untersuchung.

Gemessen wurde der Gewichtsverlust nach 68 Wochen. Eine weitere Auswertung unterschied zwischen Frauen vor, während und nach der Menopause.

Dabei meldete Novo Nordisk für Frauen vor der Menopause einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 26,7%. Während der Menopause waren es 24,8%, danach 23,1%.

Die Differenzierung liefert Anlegern einen genaueren Blick auf die untersuchten Gruppen. Sie ändert aber nichts daran, dass die Zahlen unter der genannten Annahme zur Therapietreue stehen. Aus den Gruppenwerten allein lässt sich auch keine Erklärung für die Unterschiede ableiten.

Werbestreit bleibt inhaltlich offen

Im Rechtsstreit mit Eli Lilly hat ein US-Richter laut Reuters den Antrag von Novo Nordisk auf eine einstweilige Verfügung zurückgewiesen. Novo wollte damit umstrittene Werbung für Medikamente zur Gewichtsabnahme stoppen.

Die Entscheidung beendet die zugrunde liegende Klage nicht. Ebenso wenig entschied der Richter damit, ob die Anzeigen irreführend waren. Für Anleger liegt die Bedeutung deshalb im begrenzten Verfahrensschritt: Der beantragte vorläufige Werbestopp wurde abgelehnt, die inhaltliche Auseinandersetzung geht weiter.

Geschäftszahlen als nächster Prüfstein

Am 4. November will Novo Nordisk die Ergebnisse für die ersten neun Monate 2026 veröffentlichen. Dieser Termin richtet den Blick auf die Geschäftsentwicklung, während die klinischen Auswertungen und der Werbestreit jeweils andere Fragen betreffen.

Die Einordnung bleibt deshalb zweigeteilt: CagriSema liefert zusätzliche Daten zur Gewichtsabnahme bei Frauen. Im Werbestreit fehlt dagegen weiterhin eine Entscheidung über den Vorwurf irreführender Anzeigen. Weder die Studienauswertung noch die Ablehnung des Eilantrags ersetzt den Blick auf die angekündigten Geschäftszahlen.