Novo Nordisk kommt nicht zur Ruhe. Nach einem heftigen Kursrutsch am Montag hat sich die Aktie am Dienstag stabilisiert – einen Tag bevor der dänische Pharmakonzern seine Quartalszahlen vorlegt. Gleich zwei enttäuschende Studienergebnisse binnen wenigen Tagen haben Anleger verschreckt und rücken nun die Frage in den Mittelpunkt, wie Novo Nordisk seine Wachstumsstory über die Abnehmspritzen Ozempic und Wegovy hinaus absichern will.

CagriSema verpasst Tirzepatid

Der schwerere der beiden Rückschläge betrifft CagriSema, den Nachfolgekandidaten für die etablierten GLP-1-Präparate. In einer Studie erreichte die 2,4-Milligramm-Dosis nach 84 Wochen einen Gewichtsverlust von 23 Prozent – und verpasste damit die Nicht-Unterlegenheit gegenüber Eli Lillys Tirzepatid, das in der 15-Milligramm-Dosierung auf 25,5 Prozent kam. Die Reaktion der Anleger fiel deutlich aus: An der Kopenhagener Börse brach die Aktie um 13 Prozent ein und fiel auf 263 dänische Kronen, den niedrigsten Stand seit Juli 2021. Weitere Studien mit höheren Dosierungen sind laut Unternehmensangaben bereits geplant, Novo Nordisk hatte für 2026 zuvor einen Umsatz- und Gewinnrückgang von 5 bis 13 Prozent in Aussicht gestellt.

ZEUS-Studie als zweiter Rückschlag

Bereits am 31. Juli hatte die ZEUS-Studie für Ernüchterung gesorgt. Der Entzündungshemmer Ziltivekimab senkte zwar biologische Marker wie freies Interleukin-6 und hsCRP, verfehlte aber seinen primären Endpunkt: Das Risikoverhältnis für kardiovaskuläre Ereignisse lag bei 0,99 gegenüber Placebo – praktisch kein Zusatznutzen. Die Aktie verlor daraufhin bis zu 9 bis 10 Prozent. Novo Nordisk hält an seiner Jahresprognose für 2026 fest, kündigte für das dritte Quartal jedoch eine nicht zahlungswirksame Abschreibung an. Zwei weitere Studien zu dem Wirkstoff, HERMES und ARTEMIS, sollen erst im ersten Halbjahr 2027 Ergebnisse liefern – die Ungewissheit bleibt also vorerst bestehen.

Doustdar setzt auf Übernahmen

Konzernchef Mike Doustdar, der als erster ausländischer Manager an der Spitze von Novo Nordisk steht und in wenigen Tagen sein einjähriges Amtsjubiläum feiert, zieht aus den Rückschlägen Konsequenzen. Er zeigt sich offen für Übernahmen „jeder Größe“ – nachdem der Konzern bereits ein Gebot von 10 Milliarden US-Dollar für Metsera abgegeben hatte – und mahnt intern zu mehr Risikobereitschaft: „Arroganz tötet“, warnte er laut Berichten aus Kopenhagen. Ziel ist es, die Abhängigkeit von Ozempic und Wegovy zu verringern und die Pipeline in Bereichen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluterkrankungen und NASH auszubauen – Vorbereitung auf die Zeit nach dem Patentablauf von Semaglutid in den 2030er-Jahren. Unklar ist zudem, wie eine neue US-Zollankündigung mit dem bestehenden Handelsabkommen zusammenpasst; Doustdar betonte dennoch seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Washington. Trotz der Studienflops rechnen mehrere Analysten für den Quartalsbericht am Mittwoch mit einer Anhebung der Jahresprognose, gestützt auf robuste Wegovy-Verschreibungszahlen.

Blick auf den Kurs

Die Kursbewegungen der vergangenen Woche spiegeln die Nervosität wider: Binnen sieben Handelstagen hat die Aktie 8,05 Prozent verloren, aktuell notiert sie bei 41,05 Euro. Vom 52-Wochen-Hoch aus Januar bei 54,86 Euro trennen das Papier inzwischen gut ein Viertel – ein Abstand von 25,16 Prozent, der das Ausmaß der jüngsten Rückschläge verdeutlicht. Unter institutionellen Anlegern zeigt sich ein gemischtes Bild: Während Schwergewichte wie Bank of America und Dimensional Fund Advisors ihre Positionen im ersten Quartal reduzierten, bauten kleinere Vermögensverwalter wie LFG Wealth Partners und Shariaportfolio neue Beteiligungen auf. Der Analystenkonsens lautet weiterhin „Halten“, mit Kurszielen, die deutlich über dem aktuellen Niveau liegen. Die morgigen Zahlen dürften zeigen, ob Novo Nordisk aus eigener Kraft neues Anlegervertrauen zurückgewinnen kann – oder ob die angekündigte Übernahmeoffensive zum entscheidenden Hebel wird.