Die Zahlen aus dem Aktienrückkaufprogramm liefern derzeit das stärkste Argument für Anleger, die an Novo Nordisk festhalten wollen. Zwischen dem 17. und 21. August erwarb das Unternehmen 1.045.000 B-Aktien zu Kursen zwischen 293 und 299 Dänischen Kronen. Damit hält Novo Nordisk nun 43.969.876 eigene B-Aktien, ein Prozent des gesamten Aktienkapitals. Für mich ist das ein Signal: Das Management kauft antizyklisch, während der Kurs unter Druck steht.

Ein Warnschreiben, das älter ist als es wirkt

Ein Punkt verdient Präzision, weil er die Risikoerzählung um die Aktie prägt: Die US-Arzneimittelbehörde FDA hatte Novo Nordisk bereits Anfang März ein Warnschreiben zu unzureichend gemeldeten Nebenwirkungen von Ozempic und Wegovy zugestellt, nicht erst kürzlich.

Das Unternehmen erklärte, es arbeite an den Bedenken der Behörde. Wer diesen Vorgang als frische Belastung interpretiert, überzeichnet die Lage – er ist längst Teil der bekannten Aktenlage, kein neuer Schock.

Ähnlich verhält es sich mit der Meldung von Scholar Rock. Das Biopharma-Unternehmen teilte Anfang August mit, es habe eine Catalent-Anlage in Indiana – eine Tochtergesellschaft von Novo Nordisk – als kommerzielle Abfüllstätte aus seinem Zulassungsantrag für Apitegromab gestrichen, nachdem die FDA dort eine „Official Action Indicated“-Einstufung verhängt hatte.

Die formelle Rückzugsmitteilung folgte gegen Ende August. Für Novo Nordisk selbst ist das kein direkter Zulassungsschaden, aber es zeigt: Die Fertigungsqualität im Konzernumfeld steht unter behördlicher Beobachtung, und das dürfte auch andere Partner nervös machen.

China als Lichtblick, Ziltivekimab als Rückschlag

Auf der positiven Seite steht die Nachricht, dass Chinas Arzneimittelbehörde NMPA den Zulassungsantrag für die orale Wegovy-Version angenommen hat. Das ist ein wichtiger Schritt im Wettlauf mit Eli Lillys oralem Orforglipron auf einem der größten Adipositas-Märkte der Welt.

Gleichzeitig lieferte die Deutsche Bank Ende August den Kontrapunkt: Sie senkte ihre Einstufung auf „Sell“ und reduzierte das Kursziel um 9 Prozent auf 265 Dänische Kronen. Begründet wurde der Schritt mit Zweifeln an der Rückkehr zu Wachstum 2027, wachsender Konkurrenz durch Eli Lilly und dem Scheitern der späten klinischen Studie zu Ziltivekimab in der kardiovaskulären Indikation.

Bemerkenswert ist, dass JPMorgan wenige Tage zuvor den gegenteiligen Weg ging: Die Bank erhöhte ihr Kursziel auf 275 von 250 Dänischen Kronen bei weiterhin neutraler Einstufung, gestützt auf verbesserte Wachstumsaussichten für Ozempic und Wegovy außerhalb der USA. Zwei Häuser, zwei fast identische Kalenderwochen, zwei entgegengesetzte Schlüsse – das zeigt, wie gespalten die Analystenmeinung derzeit tatsächlich ist.

Pipeline liefert Substanz, Kurs bleibt angeschlagen

Unterm Strich überzeugt mich, dass Novo Nordisk operativ weiterarbeitet, während die Schlagzeilen Nervosität verbreiten. Die Phase-1b/2a-Daten zu subkutanem Amycretin zeigten bis zu 24,3 Prozent Gewichtsreduktion bei der 60-mg-Dosis über 36 Wochen – Grundlage für die neu gestartete Phase-3-Studie AMAZE 1. Parallel läuft seit Ende August die OASIS-5-Studie zu niedrigeren Erhaltungsdosen der oralen Wegovy-Pille, mit rund 450 Teilnehmern und Laufzeit bis April 2028. Das ist keine Pipeline, die vor der Aufgabe steht.

Der Kurs spiegelt die Verunsicherung trotzdem deutlich: Am Freitag schloss die Aktie bei 39,41 Euro, ein Fünftel unter dem 52-Wochen-Hoch von 54,86 Euro aus Ende Januar. Der RSI von 43,3 signalisiert weder Überverkauf noch Euphorie – der Markt sucht sich gerade seine neue Richtung.

Für mich überwiegt derzeit die Sicht, dass die Rückkäufe und die China-Zulassung mehr Substanz tragen als die überzogene Lesart älterer Regulierungsvorgänge. Der Capital Markets Day am 21. September dürfte zeigen, ob das Management diese Substanz auch in eine überzeugende Wachstumsstory für 2027 übersetzen kann. Bis dahin bleibt die Aktie ein Fall für Anleger mit Nerven – nicht für Ungeduldige.