Novo Nordisk schließt den März 2026 mit einer ungewöhnlichen Häufung von Ereignissen ab: eine FDA-Zulassung für ein neuartiges Insulin, eine erneuerte Führungsstruktur nach einer turbulenten Hauptversammlung und der Ex-Dividenden-Tag für ADR-Inhaber — alles innerhalb weniger Tage. Hinter dieser geschäftigen Kulisse bleibt die eigentliche Herausforderung jedoch dieselbe: ein schwieriges Jahr für das Kerngeschäft.
Awiqli: Wöchentliches Insulin erstmals zugelassen
Am 27. März erteilte die US-Arzneimittelbehörde FDA die Zulassung für Awiqli® (Insulin icodec-abae), das erste und bislang einzige einmal wöchentlich zu injizierende Langzeit-Basalinsulin für Erwachsene mit Typ-2-Diabetes. Statt täglich zu spritzen, reicht Patienten künftig eine Injektion pro Woche. Die Zulassung basiert auf dem ONWARDS-Studienprogramm mit rund 2.680 Teilnehmern, in dem Awiqli® beim primären Zielwert — der Senkung des HbA1c-Werts — überzeugte.
CEO Mike Doustdar positionierte die Zulassung als bewusstes Gegenzeichen: „Während sich Teile der Branche aus dem Insulingeschäft zurückziehen, bekräftigen wir unser Engagement.“ Der Marktstart in den USA ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant. Awiqli® ist damit nun in den USA, der EU und 13 weiteren Ländern zugelassen.
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Hauptversammlung unter Druck
Die Jahreshauptversammlung am 26. März stand unter besonderer Beobachtung. Aufsichtsratschef Lars Rebien Sørensen musste sich erstmals nach seinem internen Führungswechsel im Vorjahr den Aktionären stellen. Investoren kritisierten zwei Fehlschläge: den gescheiterten Versuch, ein Adipositas-Startup von Pfizer zu übernehmen, und eine überraschend pessimistische Jahresprognose, die den Kurs stark belastet hatte.
Trotz der angespannten Stimmung wurden alle wesentlichen Beschlüsse gefasst. Sørensen wurde als Vorsitzender wiedergewählt, ebenso Vizevorsitzender Cees de Jong sowie drei weitere Mitglieder. Neu in den Vorstand gewählt wurden Helena Saxon, Jan van de Winkel und Ramona Sequeira. Poul Weihrauch soll zunächst als Beobachter eintreten und 2027 zur Wahl als vollwertiges Mitglied vorgeschlagen werden.
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Umsatzdruck bleibt das zentrale Problem
Die guten Nachrichten rund um Awiqli und die Dividende können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Novo Nordisk operativ unter erheblichem Druck steht. Das Unternehmen erwartet für 2026 einen Umsatzrückgang von 5 bis 13 Prozent — deutlich mehr als Analysten zuvor angenommen hatten. Als Hauptgrund nennt CEO Doustdar ein Preisabkommen mit der US-Regierung auf Basis der Meistbegünstigungsklausel, das die Erlöse im GLP-1-Segment belastet. Hinzu kommt verschärfter Wettbewerb durch Eli Lilly bei den Therapien Wegovy und Ozempic.
Als Reaktion auf den Kursverlust — die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten mehr als die Hälfte ihres Wertes eingebüßt — läuft ein Aktienrückkaufprogramm über 15 Milliarden dänische Kronen. Bis zum 20. März wurden bereits knapp 7,85 Millionen B-Aktien zurückgekauft.
Breiter aufgestellt, aber noch nicht bewiesen
Novo Nordisk setzt auf Diversifikation: Doustdar nannte die Inkretinkombination CagriSema, das Hämophilie-Präparat Mim8 sowie laufende Phase-3-Studien für Sichelzellanämie und chronische Nierenerkrankungen als wichtige Wachstumstreiber. Die Awiqli-Zulassung fügt sich in diese Strategie ein. Mit dem heutigen Ex-Dividenden-Tag erhalten ADR-Inhaber zudem eine Abschlussdividende von rund 1,28 US-Dollar je Aktie, zahlbar am 8. April — eine moderate Erhöhung von 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ob die neue Pipeline-Breite den Druck auf das GLP-1-Geschäft ausreichend kompensieren kann, wird sich spätestens mit den Halbjahreszahlen zeigen.
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