Novo Nordisk meldet Fortschritte in der Forschungspipeline gegen Fettleibigkeit, während Analysten das Bild des dänischen Pharmakonzerns unterschiedlich bewerten.

Der US-Partner Lexicon Pharmaceuticals erhielt Ende August eine zweite Meilensteinzahlung von 10 Millionen Dollar von Novo Nordisk, nachdem die geforderten ersten Dosierungen in einer Phase-1-Studie erreicht wurden. Ein dritter Meilenstein über ebenfalls 10 Millionen Dollar könnte laut Lexicon noch in diesem Jahr folgen.

Hinter der Zahlung steht der Wirkstoff LX9851, ein oral einzunehmender Hemmstoff der Acyl-CoA-Synthetase 5, den Novo Nordisk als Lizenznehmer für die Behandlung von Fettleibigkeit und begleitenden Stoffwechselerkrankungen entwickelt.

Die Phase-1-Studie mit steigenden Einzel- und Mehrfachdosen im Vergleich zu Placebo bei übergewichtigen und adipösen Probanden hatte Novo Nordisk im März gestartet. Für den Konzern ist der Wirkstoff einer von mehreren Bausteinen, mit denen das Unternehmen sein Portfoglio jenseits der etablierten Präparate Ozempic und Wegovy verbreitern will.

Analystenhäuser uneins über Kursaussichten

Am 25. August hob JPMorgan sein Kursziel für Novo Nordisk von 250 auf 275 dänische Kronen an, beließ die Einstufung aber bei Neutral. Die Bank erhöhte ihre Umsatzprognose für 2026 um 5 Prozent im Anschluss an die Zweitquartalszahlen des Konzerns. Begründet wurde die Anpassung mit geringerem als erwartetem Umsatzverlust durch Generika-Konkurrenz bei Ozempic sowie günstigeren Effekten aus Preisnachlässen im US-Geschäft.

Gegenläufig positionierte sich Berenberg bereits am 17. August: Die Bank stufte die Aktie von Kaufen auf Halten zurück und senkte das Kursziel von 50 auf 47 Dollar. Als Grund nannte Berenberg die erwartete Konkurrenz im Markt für orale Abnehmpillen – ein Feld, in dem sich Novo Nordisk und Wettbewerber wie Eli Lilly zunehmend messen.

Die divergierenden Einschätzungen spiegeln eine Aktie wider, die sich seit Monaten in einer schwierigen Lage befindet. Im vorbörslichen Handel notiert das Papier bei 40,26 Euro und damit rund 27 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 54,86 Euro, das im Januar erreicht wurde. Seit Jahresbeginn steht ein Kursrückgang von 8,6 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sogar von 17 Prozent.

Operatives Geschäft läuft besser als befürchtet

Trotz der Kursschwäche zeigte sich das operative Geschäft zuletzt robuster als von manchen Analysten unterstellt. Im zweiten Quartal 2026 stiegen die bereinigten Umsätze währungsbereinigt um 7 Prozent, der bereinigte Betriebsgewinn legte um 11 Prozent zu.

Novo Nordisk hob daraufhin seine Jahresprognose an: Statt eines Rückgangs von bis zu 4 Prozent bei Umsatz und Betriebsgewinn auf Basis konstanter Wechselkurse erwartet der Konzern nun einen Rückgang von höchstens 6 Prozent bis hin zu einer stagnierenden Entwicklung.

Diese Verbesserung der Prognose deutet darauf hin, dass der befürchtete Erosionsdruck durch Nachahmerprodukte bislang moderater ausfällt als ursprünglich angenommen – ein Punkt, den auch JPMorgan in seiner Kurszielanhebung aufgriff.

Für Anleger bleibt die Aktie damit ein Fall zwischen kurzfristiger operativer Stabilisierung und langfristigen Sorgen um Wettbewerbsdruck und Pipeline-Rückschläge, wie sie etwa Deutsche Bank mit ihrer skeptischen Einschätzung zum Ausdruck gebracht hatte.

Der Handel dürfte sich in den kommenden Wochen weiter zwischen diesen beiden Lesarten bewegen, bevor der Kapitalmarkttag am 21. September neue Impulse liefern könnte.