Zwei heute veröffentlichte Kurszielanhebungen für Novo Nordisk führen zu unterschiedlichen Anlageurteilen: SB1 Markets empfiehlt den Kauf, Bernstein erwartet eine unterdurchschnittliche Entwicklung.

Im Mittelpunkt der Bewertung steht das Verhältnis zwischen dem Erfolg der Wegovy-Tablette und den Schwächen bei injizierbaren GLP-1-Präparaten. Für eine nachhaltige Erholung spricht das Tablettengeschäft, sofern es Marktanteilsverluste und Profitabilitätsdruck ausreichend auffängt.

Höhere Kursziele bei gegensätzlichen Empfehlungen

SB1 Markets erhöhte das Kursziel heute von 335 auf 345 dänische Kronen und bestätigte die Kaufempfehlung. Eine zusätzliche Begründung für die Anhebung wurde nicht genannt.

Bernstein gewichtet die Belastungen durch den Wettbewerb dagegen weiterhin stark. Das Analysehaus verweist auf Marktanteilsverluste bei injizierbaren GLP-1-Präparaten und eine geringere Profitabilität. Diese Faktoren begrenzen aus seiner Sicht die Geschäftsperspektiven trotz angehobener Prognosen.

Das heute veröffentlichte Bernstein-Kursziel steigt von 203 auf 223 dänische Kronen. Analyst Justin Smith liegt mit seinen Schätzungen trotz der Anhebungen bis zu 17 % unter dem Analystenkonsens. Die negative Einstufung bleibt bestehen.

Die Differenz zwischen den Empfehlungen macht die entscheidende Bewertungsfrage deutlich: Wie viel zusätzliche Ertragskraft kann Novo aus dem oralen Angebot gewinnen, während das Geschäft mit den Spritzen unter Druck steht?

Die Tablette liefert das Gegenargument

Die Wegovy-Tablette erzielte im dritten Quartal 2026 einen Umsatz von 5,39 Milliarden dänischen Kronen. Laut BioPharma Dive lag der Analystenkonsens bei 4,96 Milliarden dänischen Kronen. Damit lieferte das Präparat einen konkreten Beleg für die Nachfrage nach der oralen Behandlung.

Dem steht eine Schwäche der injizierbaren Variante gegenüber. Ihr US-Umsatz ging im selben Quartal bei konstanten Wechselkursen zurück. Der Erfolg der Tablette ist für Novo deshalb besonders wertvoll, sofern sich daraus dauerhaft zusätzliche Nachfrage und ein profitablerer Produktmix entwickeln.

Für das Gesamtjahr 2026 erwartet das Unternehmen bei bereinigtem Umsatz und bereinigtem operativem Gewinn zu konstanten Wechselkursen jeweils eine Veränderung zwischen −2 % und +2 %. Die verbesserte Prognose lässt damit sowohl einen leichten Rückgang als auch moderates Wachstum zu.

Der Vertriebszugang muss sich rechnen

Neben dem Medikament selbst rückt der Zugang zu den Patienten in den Blick. Finanzkommentator Niels Lunde beschreibt ein kommerzielles Ökosystem aus digitalen Vertriebskanälen, neuen Zahlungswegen und Partnern rund um Wegovy.

CEO Mike Doustdar erklärte am Mittwoch, NovoCare und Partner sollten auch bei einer künftigen Einführung von CagriSema eingesetzt werden. Damit könnte die Vertriebsstruktur über Wegovy hinaus Bedeutung gewinnen, sofern sie sich für weitere Medikamente nutzen lässt.

Lunde knüpft seine Bewertung an eine klare Bedingung: Das Modell müsse einen Wettbewerbsvorteil schaffen und dürfe nicht lediglich zusätzliche Kosten verursachen. Für Anleger treffen hier die beiden Bewertungsrichtungen zusammen. Ein breiterer Zugang stärkt Novo, wenn daraus profitable Nachfrage entsteht; anhaltender Margendruck würde dagegen Bernsteins vorsichtige Einschätzung stützen.