Nvidia hat in den vergangenen sieben Handelstagen 12,96 Prozent zugelegt und notiert bei 187,62 Euro. Für einen Titel, der die erste Jahreshälfte 2026 größtenteils hinter dem Gesamtmarkt zurückblieb, ist das eine bemerkenswerte Kehrtwende. Mein Blick auf die Lage: Diese Rally hat mehr Substanz, als der schnelle Anstieg vermuten lässt.

Der Auslöser heißt 26. August

Am Mittwoch, den 26. August, legt Nvidia die Zahlen zum zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 vor, das am 26. Juli endete. Wall Street erwartet einen Umsatz von rund 91 Milliarden Dollar. Die Latte liegt hoch: Analysten rechnen mit einem Wachstum von 96 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.

Das ist aggressiv, aber nicht unrealistisch. Nvidia hat in der Vergangenheit regelmäßig selbst hohe Erwartungen übertroffen. Genau deshalb wirkt die aktuelle Kursbewegung wie mehr als nur ein Strohfeuer: Der Markt könnte beginnen, ein stärkeres Quartal einzupreisen, als viele befürchtet hatten.

Warum die Bullen noch Raum haben

Der Blick auf die Charttechnik stützt meine optimistische Einschätzung. Der RSI steht bei moderaten 59,1 Punkten – die Aktie ist damit weder überkauft noch ausgereizt. Es bleibt Spielraum nach oben, ohne dass ein Rücksetzer unmittelbar droht.

Auch die Nachfrageseite spricht für Nvidia. Große Cloud-Anbieter erhöhen ihre Ausgabenpläne für 2026 fortlaufend und deuten an, dass 2027 noch mehr investiert wird. Das ist ein Signal, das die künftige Wachstumsstory stützt, nicht schwächt.

Hinzu kommt ein Fortschritt bei der nächsten Chip-Generation. Nvidia-Chef Jensen Huang bestätigte kürzlich, dass die Vera-Rubin-Architektur bereits in Produktion sei. Er sprach von „gewaltigen Mengen“, die jetzt anlaufen. Das entkräftet eine der größten Sorgen der letzten Monate: dass der Übergang von Blackwell zu Rubin zu Lieferengpässen führen oder bestehende Nachfrage kannibalisieren könnte.

Das Risiko, das nicht verschwindet: China

Keine bullische Nvidia-These ist vollständig ohne den Blick auf die Exportkontrollen. Das Chip-Geschäft mit China bleibt ungeklärt und kann in der Quartalsmitteilung jederzeit wieder zum Belastungsfaktor werden.

Die Geschichte des H200-Chips zeigt, wie volatil dieses Thema ist. Erst wurde der Export nach China verboten, dann im Dezember 2025 von Donald Trump wieder erlaubt. Das US-Handelsministerium goss die Erlaubnis anschließend in eine Regel mit widersprüchlichen Bedingungen. Chinesische Käufer zeigen trotz der Freigabe bisher wenig Interesse an den Kompromiss-Chips. China-Umsätze bleiben damit für das kommende Quartal ein Unsicherheitsfaktor, keine verlässliche Wachstumsgröße.

Mein Fazit

Die Aktie notiert weiterhin 7,35 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 262,72 Euro – das entspricht rund 40 Prozent Aufwärtspotenzial von hier aus. Für geduldige Bullen sieht das Umfeld vor dem Bericht am 26. August günstig aus.

Die technische Struktur – ein Kurs deutlich über allen wichtigen gleitenden Durchschnitten bei einem unauffälligen RSI – spricht für echte Dynamik statt eines kurzfristigen Ausschlags. Trotzdem bleibt die China-Frage der größte Unsicherheitsfaktor. Enttäuschende Kommentare zum Vera-Rubin-Hochlauf oder zur Rechenzentrums-Prognose könnten die Gewinne dieser Woche schnell wieder auffressen. Nicht die aktuelle Kursbewegung, sondern die Telefonkonferenz am 26. August wird zeigen, ob diese Rally trägt.