Nvidia wird von einem der renommiertesten quantitativen Bewertungsmodelle der Wall Street als massiv unterbewertet eingestuft — und das ausgerechnet in einem Moment, in dem institutionelle Anleger die Aktie in hohem Tempo abstoßen. Das Auseinanderdriften von Fundamentaldaten und Marktverhalten ist selten so deutlich wie jetzt.
Was das UBS-Modell sieht
Das proprietäre Bewertungsframework UBS HOLT, das auf dem Cash Flow Return on Investment (CFROI) basiert, kommt zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Nvidia sei rund 400 Prozent unterbewertet. Das würde einer Marktkapitalisierung von 22 Billionen Dollar entsprechen — verglichen mit 4,46 Billionen Dollar Anfang April.
Der Grund für diese Einschätzung liegt in Nvidias außergewöhnlichen Kennzahlen. Der CFROI des Unternehmens liegt bei 73 Prozent, während der Durchschnitt aller Nicht-Finanzunternehmen in der HOLT-Datenbank bei etwa 6 Prozent liegt. Das platziert Nvidia im obersten 0,1 Prozent aller jemals erfassten Unternehmen. Besonders relevant: Das Modell geht normalerweise davon aus, dass Wettbewerb die Renditen eines Unternehmens über Zeit erodiert — bei Nvidia ist dieser Effekt bislang nicht eingetreten. Stattdessen musste das Modell seine Langfristannahmen mehrfach nach oben korrigieren.
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Hedgefonds verkaufen, Analysten kaufen
Trotz dieser Fundamentaldaten steht die Aktie unter erheblichem Verkaufsdruck. Goldman Sachs meldete, dass Hedgefonds im März so schnell Aktien abgestoßen haben wie zuletzt vor 13 Jahren. Nvidia gehörte neben Tesla und Palantir zu den am stärksten betroffenen Titeln. Treiber dieser Bewegung sind gestiegene Ölpreise, geopolitische Unsicherheiten und eine generell defensivere Positionierung institutioneller Anleger.
Das steht in scharfem Kontrast zur Analystengemeinde: 94 Prozent der Analysten stufen die Aktie mit „Buy“ oder „Strong Buy“ ein. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 268 Dollar — was einem Aufwärtspotenzial von über 50 Prozent entspricht. Einzelne Banken sind noch optimistischer: Bank of America sieht 300 Dollar, Barclays 275 Dollar, JPMorgan 265 Dollar.
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Bewertung auf historischem Tief
Hinzu kommt ein Bewertungsbild, das in dieser Form seit mehr als einem Jahrzehnt nicht zu sehen war. Auf Basis der erwarteten Gewinne für das Geschäftsjahr 2027 liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei 20,5 — niedriger als das des S&P 500 mit 20,7. Zum Vergleich: Der historische Zehnjahresdurchschnitt für Nvidia liegt bei 61,6.
Das operative Geschäft liefert weiterhin Rückenwind. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 erzielte Nvidia einen Rekordumsatz von 68,1 Milliarden Dollar — ein Plus von 73 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 peilt das Unternehmen 78 Milliarden Dollar an.
Charttechnisch hat die Aktie zuletzt Fahrt aufgenommen: Nach einer monatelangen Seitwärtsphase stieg sie in den vergangenen sechs Handelstagen um mehr als 10 Prozent — die längste Gewinnserie seit Oktober. Technische Analysten beobachten die Marke von 185 Dollar als möglichen Ausbruchspunkt.
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