Nvidia fällt am Montag um 0,29 Prozent auf 173,86 Euro. Der Kurs bewegt sich kaum, doch das Muster dahinter ist bezeichnend. Seit Monaten schrammt die Aktie knapp an neuen Rekorden vorbei, ohne den entscheidenden Schub zu schaffen. Diese Pause wirkt wie die Ruhe vor dem nächsten Kurssprung – ausgelöst durch die kommenden Quartalszahlen.
Ein Jahr der Verzögerung, nicht des Rückgangs
Die Zahlen zeigen Konsolidierung, keinen Absturz. Nvidia notiert 14,14 Prozent unter dem Rekordhoch von 202,50 Euro aus Mitte Mai. Vom Tief im September, bei 139,78 Euro, hat sich der Kurs seither deutlich gelöst.
Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 8,47 Prozent, über zwölf Monate sind es 11,79 Prozent. Das klingt solide.
Für ein Unternehmen, das 2023 um 239 Prozent und 2024 um 171 Prozent zulegte, ist das trotzdem ein klarer Bremseffekt. 2025 wuchs die Aktie nur noch um 39 Prozent. Die Kernfrage lautet: Hat sich der KI-Trade einfach normalisiert – oder verliert Nvidia an Schwung?
Technisch steckt die Aktie in einem Tauziehen. Sie liegt unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 178,69 Euro, aber über dem 200-Tage-Durchschnitt von 166,45 Euro.
Der RSI von 46,7 zeigt einen Markt, der sich schlicht nicht entschieden hat. Eine annualisierte Volatilität von 36,59 Prozent macht klar: Unter der ruhigen Oberfläche brodelt es weiter.
Warum die Pause vorübergehend wirkt
Das bärische Argument stützt sich auf echte Wachstumsmathematik. Für die kommenden drei Geschäftsjahre erwarten Analysten ein Umsatzwachstum von 219 Prozent. Das ist deutlich langsamer als die rund 700 Prozent der drei Vorjahre zusammen.
Bei einer viel größeren Basis war diese Verlangsamung praktisch unvermeidlich. Genau das preisen die Märkte offenbar seit Mai ein.
Die Nachfrageseite bleibt trotzdem ungewöhnlich stark für eine Aktie, die seit Monaten nicht vom Fleck kommt. Die Investitionsbudgets der großen Cloud-Anbieter steigen weiter, statt sich abzuflachen. China, jahrelang ein Unsicherheitsfaktor, wird zunehmend zum Rückenwind statt zur Bremse.
Die US-Behörde BIS prüft Exportlizenzen für den Nvidia-Chip H200 inzwischen von Fall zu Fall. Grundlage ist die Ankündigung von Präsident Trump vom 8. Dezember 2025, wonach die USA den Versand von H200 und ähnlichen Produkten an zugelassene Kunden in China erlauben.
Das markiert eine deutliche Lockerung gegenüber dem kompletten Lizenzstopp vom April 2025. Damals traf das Verbot Nvidias H20-Geschäft und erzwang eine milliardenschwere Abschreibung auf Lagerbestände.
Der wichtigste Termin im Kalender ist der Quartalsbericht für das zweite Geschäftsquartal. Nvidia meldet die Zahlen am 26. August. Dieser Bericht dürfte die Debatte über das Wachstumstempo entscheidend beeinflussen.
Warum ich bei der Aktie zuversichtlich bleibe
Für mich sieht das aktuelle Bild nach Konsolidierung vor einem Katalysator aus, nicht nach einem echten Abwärtstrend. Dass die Aktie trotz eines breiteren Tech-Ausverkaufs über ihrem 200-Tage-Durchschnitt bleibt, spricht dafür: Die Nachfrage nach Beschleunigungscomputing ist intakt. Sie ist einfach nicht mehr für Perfektion bepreist.
Nvidia hat sich im laufenden Ausverkauf am Technologiemarkt vergleichsweise gut geschlagen. Die Aktie liegt rund 16 Prozent unter ihrem Rekordhoch vom Mai – ein milderer Rückgang als bei vielen Wettbewerbern aus der Chipbranche.
Das Kursziel im Analysten-Konsens liegt bei 262,49 Euro. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von rund 51 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Diese Lücke ist groß genug, um echtes Vertrauen der Analysten widerzuspiegeln.
Ob sich diese Lücke schließt, hängt stark vom Ausblick im August ab. Entscheidend wird vor allem die Prognose zu Blackwell-Lieferungen und zum China-Zugang sein, weniger das vergangene Quartal selbst.
Nvidias eigentlicher Wachstumsmotor wirkt intakt: Rechenzentrums-Nachfrage, wachsende KI-Infrastrukturbudgets und ein sich langsam öffnender chinesischer Markt. Die Aktie verdaut derzeit nur einen historischen Mehrjahreslauf. Am 26. August zeigt sich, ob der Markt bereit ist, sich wieder zu bewegen.
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