Jensen Huang hat am Freitag eine bemerkenswerte These aufgestellt: Die „AI Factory“-Plattform seines Unternehmens sei mittlerweile eine eigene investierbare Anlageklasse.
Der Nvidia-Chef argumentiert, die anhaltend hohe Nachfrage nach KI-Chips mache diese zu einer belastbaren Sicherheit für Fremdkapitalgeber. Damit untermauert er die milliardenschwere Finanzierungsinitiative, die Nvidia zusammen mit Partnern wie Apollo, BlackRock, Blackstone und Goldman Sachs vorangetrieben hat.
Die Aussage fällt in eine Phase, in der die US-Börsenaufsicht SEC den Weg für genau solche Konstruktionen frei macht. Die Behörde erließ am Dienstag Verwaltungshinweise, die bestimmte Verbriefungen von Rechenzentren von klassischen Risikoselbstbehalt-Regeln für forderungsbesicherte Wertpapiere ausnehmen. Das erleichtert die geplante Mobilisierung von Drittkapital für den Ausbau von KI-Infrastruktur und stützt die Argumentation, wonach Nvidia-Hardware als Kreditsicherheit taugt.
Nachfrage bleibt laut Analysten der zentrale Werttreiber
Die fundamentale Basis für Huangs These liefern aktuelle Kapitalflussdaten. Nach Berechnungen von J.P. Morgan fließen derzeit rund 26 Prozent der gesamten Investitionsausgaben großer Hyperscaler in Nvidia-Produkte – ein Beleg für die Konzentration der KI-Infrastrukturausgaben auf einen einzigen Anbieter.
Diese Abhängigkeit ist zugleich Chance und Risiko: Sie erklärt, warum Investoren wie Sands Capital Management Nvidia zum größten Einzelposten im Portfolio gemacht haben, mit einem Anteil von 10,45 Prozent zum Ende des zweiten Quartals.
Auf der Produktseite verdichten sich die Signale für die kommende Rubin-Plattform. Foxconn kündigte am Mittwoch an, mit dem Versand der nächsten Nvidia-Generation Vera Rubin im vierten Quartal 2026 zu beginnen. Bank of America stufte das Unternehmen am Donnerstag zum „Top Chip Pick“ vor den Quartalszahlen auf und hob das Kursziel auf 350 US-Dollar an.
Goldman-Sachs-Analyst James Schneider bekräftigte am selben Tag sein „Buy“-Rating mit einem Kursziel von 285 US-Dollar und verwies auf die Bruttomargen sowie den Rubin-Rollout als entscheidende Messgrößen für den anstehenden Bericht.
Konsensschätzungen steigen vor Quartalszahlen
Auch die Erwartungen der Analysten insgesamt zogen zuletzt an. Medienberichten zufolge wurden die Konsensschätzungen für den Umsatz im Geschäftsjahr 2027 auf 391,3 Milliarden US-Dollar nach oben revidiert, die Gewinnschätzung je Aktie stieg um 14 Prozent auf 9,34 US-Dollar.
Nvidia selbst hatte für das kommende Quartal einen Umsatz von 91,0 Milliarden US-Dollar mit einer Schwankungsbreite von plus/minus 2 Prozent in Aussicht gestellt – die Zahlen werden am 26. August veröffentlicht.
An der Börse spiegelt sich die insgesamt positive Grundstimmung. Die Aktie notiert bei 195,36 Euro und liegt damit nur 3,5 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro, das erst im Mai erreicht wurde. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 22 Prozent, der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt 16 Prozent nach oben.
Nicht jede Personalie am Nvidia-Kapitalmarkt läuft in dieselbe Richtung. Direktor Tench Coxe meldete Anfang August die Übertragung von 500.000 Aktien im Rahmen einer Schenkung aus einem Familientreuhandfonds ohne Gegenleistung – ein Vorgang ohne Verkaufsdruck.
Zugleich erhielt die neu berufene Direktorin Suzanne M. Nora Johnson im Zusammenhang mit ihrer Bestellung 2.410 Restricted Stock Units. Für Anleger bleibt der 26. August der nächste entscheidende Termin, an dem sich zeigt, ob die hohen Erwartungen an Margen und Rubin-Hochlauf tatsächlich erfüllt werden.
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