Nvidia liefert gerade auf zwei Fronten gleichzeitig. Am Mittwoch findet die Hauptversammlung statt — und ein neuer Benchmark zeigt, wie weit die Blackwell-Architektur der Konkurrenz enteilt ist.

Hauptversammlung mit vollem Programm

Am 24. Juni, 9 Uhr Pazifikzeit, trifft sich Nvidia digital mit seinen Aktionären. Auf der Tagesordnung stehen die Wahl von zehn Direktoren, die Vergütung des Managements und die Bestätigung von PwC als Wirtschaftsprüfer.

Hinzu kommen vier Aktionärsanträge. Sie fordern unter anderem ein einfaches Mehrheitswahlrecht, mehr Transparenz bei Treibhausgasemissionen aus verkauften Produkten und Berichte zu Bürgerrechten im Personalbereich. Die vorläufigen Abstimmungsergebnisse werden direkt im Meeting bekannt gegeben. Das finale Ergebnis folgt bis zum 30. Juni in einem SEC-Bericht.

60.000 Agenten pro Megawatt

Parallel dazu hat Nvidia einen technischen Meilenstein gesetzt. Das Analyseunternehmen Artificial Analysis hat mit AgentPerf den ersten branchenweiten Benchmark für agentische KI veröffentlicht. Die zentrale Kennzahl: Agenten pro Megawatt — also wie viele KI-Agenten ein System gleichzeitig pro Megawatt Strom betreiben kann.

Das Ergebnis ist eindeutig. Die Nvidia Blackwell Ultra NVL72-Plattform schafft bis zu 60.000 gleichzeitige Agenten pro Megawatt. Das ist zwanzigmal mehr als die Vorgängerarchitektur Hopper. Gegenüber AMDs MI355X liefert Blackwell ebenfalls bessere Effizienz pro Watt.

Warum ist das relevant? Agentische KI unterscheidet sich grundlegend von einfacher Texterzeugung. Ein Chatbot beantwortet eine Frage. Ein Agent zerlegt ein Ziel in viele Schritte, ruft Tools auf, verarbeitet Zwischenergebnisse und handelt eigenständig — oft über Dutzende von Modellaufrufen hinweg. Dieser Workload stellt andere Anforderungen an Hardware.

Das GB300 NVL72-System integriert 72 GPUs in einem einzigen Rack. Das ermöglicht die effiziente Verteilung großer Modelle wie DeepSeek V4 Pro. Nvidias CUDA-Kernels und TensorRT-LLM-Software überlappen Rechen- und Kommunikationsaufgaben — das senkt die Latenz und verbessert die Skalierbarkeit.

Produktion läuft, Zahlen stimmen

Die Plattform ist kein Laborprodukt. Anbieter wie Baseten, DeepInfra und Together AI betreiben bereits produktive Anwendungen auf Blackwell-Hardware. DeepInfra etwa betreibt Pam.ai, eine KI-Plattform für Autohäuser, die Servicetermine bucht, Anrufe übernimmt und Verkaufskampagnen steuert.

Die Finanzzahlen liefern den Rahmen dazu. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 erzielte Nvidia einen Umsatz von 81,6 Milliarden Dollar — ein Plus von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Rechenzentrumsgeschäft wuchs um 92 Prozent auf 75,2 Milliarden Dollar. Der GAAP-Nettogewinn stieg auf 58,3 Milliarden Dollar, mehr als dreimal so viel wie ein Jahr zuvor.

Für das laufende Quartal erwartet Nvidia einen Umsatz von rund 91 Milliarden Dollar — ohne jegliche Erlöse aus China im Rechenzentrumsbereich.

Die Aktie notiert aktuell bei 183,12 Euro, rund zehn Prozent unter dem Allzeithoch vom Mai. Auf Jahressicht steht ein Plus von knapp 47 Prozent. Mit dem Vera-Rubin-Nachfolger von Blackwell in der Pipeline und der Hauptversammlung am Mittwoch hat Nvidia eine volle Woche vor sich.