Während der KI-Sektor über Bewertungsniveaus streitet, bleibt Cantor Fitzgerald bei seiner Einschätzung zu Nvidia ungewöhnlich klar. Die Investmentbank bestätigte ihr Kursziel von 350 Dollar und stufte die Aktie weiter mit „Overweight“ ein. Begründung: Nvidia sei unter den Compute-Werten der günstigste Titel, gemessen an den Gewinnschätzungen für 2028 — und bei Hedgefonds sowie Long-only-Investoren nach wie vor unterrepräsentiert.

Analyst C.J. Muse verwies auf die anhaltende Debatte um die Nachhaltigkeit des KI-Zyklus angesichts makroökonomischer Gegenwinde und hoher Verschuldung. Cantor Fitzgerald ordnete zudem die vieldiskutierte Reduzierung der HBM-Speicherspezifikationen bei Nvidia-Chips als bewusste wirtschaftliche Entscheidung ein — mit dem Ziel, Margen und GPU-Absatz bei begrenzter Bit-Kapazität zu optimieren.

Das Kursziel reiht sich in ein Analystenumfeld ein, das zuletzt zwischen 300 und 500 Dollar streute, je nach Gewichtung von Cloud-Deals und Wachstumsprognosen.

Nvidia-Technologie treibt Expansion in Asien

Abseits der Bewertungsdiskussion liefert Nvidia weiter die Infrastruktur für den globalen KI-Ausbau. Das australische Unternehmen Firmus, an dem Nvidia beteiligt ist, hat eine mehrjährige Partnerschaft mit OpenAI geschlossen. OpenAI wird Ankerkunde für zwei neue Firmus-Rechenzentren in Malaysia — die insgesamt kontrahierte Kapazität von Firmus steigt damit auf mehr als 900 Megawatt.

Firmus setzt für den Ausbau auf Nvidias kommende Vera-Rubin-Plattform, kombiniert mit der eigenen HyperCube-Infrastruktur für Kühlung und Stromversorgung. Bei seiner jüngsten Kapitalrunde wurde das Unternehmen mit über 10,5 Milliarden Dollar bewertet, unterstützt unter anderem von Nvidia, Blackstone-Fonds und Jane Street. Ein Börsengang in Australien wird für Oktober gemunkelt und könnte einer der größten des Landes seit Jahren werden.

Der Deal zeigt exemplarisch, wie tief Nvidia inzwischen in der globalen Rechenzentrums-Wertschöpfungskette verankert ist — nicht nur als Chiplieferant, sondern über direkte Kapitalbeteiligungen an Infrastrukturbetreibern.

Parallel dazu expandiert Nvidias Technologie auch in andere Branchen: Softwareanbieter wie Orange Logic integrieren die offenen Nemotron-Modelle des Unternehmens in Content-Management-Plattformen für Medienunternehmen, um KI-Agenten mit Rechte- und Workflow-Kontrolle auszustatten.

Cantor Fitzgeralds Einschätzung, Nvidia trade auf Basis der Gewinnschätzungen für 2028 am günstigsten unter den Compute-Werten, dürfte in den kommenden Wochen zum zentralen Argument der Bullen werden — insbesondere wenn weitere Infrastrukturdeals wie der mit Firmus die Wachstumsstory untermauern.