Nach der KI-Korrektur der vergangenen Tage steckt Nvidia in einer technisch heiklen Zone. Die Aktie schloss am Donnerstag bei 217,23 Dollar und rutschte damit unter die 50-Tage-Linie. Fundamentale Impulse kommen derweil aus der Autoindustrie, während Taiwan über schärfere Exportregeln nachdenkt.

Charttechnik: Trendlinie als nächste Probe

Vom Rekordhoch bei 243,37 Dollar trennen den Konzern gut zehn Prozent. Die 50-Tage-Linie verläuft bei rund 223 Dollar und wirkt als erster Widerstand. Nach unten stützt zunächst die Untergrenze des Aufwärtstrends seit April bei etwa 209 Dollar.

Darunter liegt die 200-Tage-Linie bei rund 203 Dollar. Bricht die Trendlinie, wäre der Anstieg seit dem Frühjahr angeschlagen.

Die Erholung hat inzwischen begonnen. Nvidia-Chef Jensen Huang verteidigte die finanzielle Stabilität des KI-Cloud-Anbieters CoreWeave, dessen Aktie zuvor kräftig gefallen war. Technologiewerte zogen daraufhin an, auch weil die Renditen der US-Staatsanleihen nachgaben. Zuvor hatte eine überraschend hohe US-Inflation die Branche weltweit belastet.

Autogeschäft: Mehr als Chips

Mercedes-Benz und Nvidia bauen ihre Partnerschaft beim automatisierten Fahren aus. Mercedes-Technikvorstand Jörg Burzer nennt Nvidia den wichtigsten strategischen Partner auf diesem Feld. Zuvor hatte bereits Volvo eine Zusammenarbeit vertieft: Nvidia liefert dort Rechenleistung, Software und das Sicherheitsbetriebssystem.

Die Deals zeigen die Richtung. Nvidia will im Auto vom Chiplieferanten zum Anbieter des gesamten Fahrsystems werden. Finanziell spielt das Segment noch eine Nebenrolle: Die Sparte Edge Computing, zu der das Autogeschäft zählt, erlöste zuletzt 7,2 Milliarden Dollar und damit weniger als ein Zehntel des Konzernumsatzes.

Der Volvo-Partner steckt zudem selbst in Schwierigkeiten. Er strich Anfang Oktober seine Ziele für 2026. Bis Fahrzeuge mit dem neuen System in Serie rollen, dürften Jahre vergehen.

Taiwan erwägt strengere Exportkontrollen

Taiwan prüft deutlich schärfere Kontrollen für den Verkauf von KI-Chips nach China. Behörden sollen mehr rechtliche Mittel gegen die Umleitung moderner Hardware erhalten, vor allem von KI-Servern mit Nvidia-Chips.

Hintergrund sind Schmuggelfälle: In den USA stehen Mitarbeiter des Serverbauers Super Micro im Verdacht, Chips im Wert von mindestens 2,5 Milliarden Dollar nach China geschleust zu haben. Auch Nvidia-Beschäftigte in Taiwan sollen in einen Schmuggelring verwickelt gewesen sein. Peking dürfte die Pläne kritisch sehen.

Den nächsten Fixpunkt liefert Nvidia Mitte November mit den Zahlen zum dritten Quartal. Dann zeigt sich, wie stark das Rechenzentrumsgeschäft weiter wächst, das im zweiten Quartal 89 Milliarden Dollar zum Umsatz von 96,2 Milliarden Dollar beitrug. Zudem äußert sich der Konzern dort zum Autogeschäft.