Nach monatelanger Dominanz in der Halbleiterbranche hinkt Nvidia dem eigenen Sektor hinterher. Während Speicherchiphersteller wie Micron und SK Hynix sowie CPU-Rivalen AMD und Intel zuletzt von Hoch zu Hoch geeilt sind, notiert Nvidia seit Jahresbeginn nur etwa elf Prozent im Plus. Ein Favoritenwechsel innerhalb der Branche zeichnet sich ab.

Technische Warnsignale häufen sich

Das Chartbild hat sich in den vergangenen Wochen eingetrübt. Nach einem Hoch von rund 236 Dollar im Mai folgte eine merkliche Korrektur — die Aktie handelt nun rund zwölf Prozent unter ihren bisherigen Rekordnotierungen, zuletzt bei etwa 208 Dollar. Technisch problematisch ist das entstandene Doppel-Top, das von bärischen Divergenzen im Relative-Stärke-Index begleitet wird. Hinzu kommt, dass der Anstieg auf die Allzeithochs innerhalb einer sogenannten aufsteigenden Megaphon-Formation verlief — ein Muster, das häufig das Ende einer Aufwärtsbewegung markiert.

Der MACD-Indikator ist bereits unter seine Nulllinie gefallen und signalisiert damit einen kurzfristigen Abwärtstrend. Der Kampf um die 50-Tage-Linie läuft. Fällt die Aktie nachhaltig darunter, liegt ein weiteres Verkaufssignal vor. Als nächste relevante Unterstützung gilt die 200-Dollar-Marke, darunter könnte die 200-Tage-Linie ins Spiel kommen. Kurzfristig stehen damit bis zu 20 Prozent Abwärtspotenzial im Raum. Ein Gegenszenario wäre ein nachhaltiger Ausbruch über 220 Dollar, der die Lage technisch entspannen würde.

Fundamentaldaten stützen langfristig

Das Chartbild erzählt eine andere Geschichte als die Zahlen. Nvidia lieferte zuletzt einen Quartalsumsatz von 81,6 Milliarden Dollar — ein Anstieg von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Rechenzentrums-Segment, der eigentliche Motor des Wachstums, wuchs sogar um 92 Prozent auf 75,2 Milliarden Dollar. Für das laufende Quartal peilt das Management bereits 91 Milliarden Dollar an.

Für 2027 liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis inzwischen bei nur noch rund 23 — für 2028 sogar bei etwa 16. Das ist deutlich günstiger als in früheren Jahren und niedriger als bei vielen Branchenkollegen, die zuletzt stärker gelaufen sind.

Strategisch weitet Nvidia seinen Angriff aus: Mit der neuen „Vera“-CPU-Architektur dringt das Unternehmen in Kernmärkte von Intel und AMD vor. Da reine Prozessoren weniger stark von US-Exportbeschränkungen betroffen sind als High-End-KI-Beschleuniger, öffnet das erneut den Zugang zu chinesischen Großkunden wie Alibaba und ByteDance.

Solange Hyperscaler ihre Investitionen in KI-Infrastruktur nicht zurückfahren, dürften Kursrücksetzer an die genannten Unterstützungsbereiche für viele Investoren eher als Gelegenheit erscheinen als als strukturelles Problem. Die nächsten Quartalszahlen werden zeigen, ob das Tempo beim Rechenzentrumswachstum hält — und ob das Chartbild bis dahin wieder freundlicher geworden ist.