Nvidia steuert mit Rückenwind auf einen der wichtigsten Termine des Börsenjahres zu. Am 26. August legt der Chipkonzern seine Zahlen für das zweite Quartal vor, und die Aktie ist zuvor deutlich gelaufen: Innerhalb von fünf Handelstagen legte das Papier um 6,6 Prozent zu. Damit rückt Nvidia nah an sein 52-Wochen-Hoch heran – zum Handelsschluss am Donnerstag lag der Kurs bei 195,34 Euro und damit 3,5 Prozent unter der Bestmarke von 202,50 Euro aus dem Mai. Der Abstand zum gleitenden 50-Tage-Durchschnitt von 179,46 Euro liegt bei 8,8 Prozent – ein Hinweis auf den kräftigen kurzfristigen Aufwärtstrend.
Genau diese Rally bereitet nach Einschätzung von Goldman Sachs Anlass zur Vorsicht. Der Broker verweist darauf, dass die Messlatte für das kommende Quartal inzwischen sehr hoch liegt und warnt vor einem klassischen Sell-the-News-Szenario: Selbst solide Ergebnisse könnten die Aktie enttäuschen, wenn die Erwartungen bereits im Kurs eingepreist sind.
Konsens erwartet weiteres Rekordwachstum
Der Analystenkonsens rechnet für das zweite Quartal mit einem Umsatz von rund 92 Milliarden US-Dollar, ein Plus von etwa 96 Prozent gegenüber dem Vorjahr, sowie einem Gewinn je Aktie von 2,08 US-Dollar.
Im ersten Quartal hatte Nvidia einen Umsatz von 81,615 Milliarden US-Dollar gemeldet, ein Zuwachs von 85 Prozent, das Data-Center-Geschäft wuchs dabei um 92 Prozent auf 75 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen selbst hatte für das laufende Quartal eine Umsatzprognose von 91 Milliarden US-Dollar ausgegeben.
Untermauert wird die Wachstumsstory durch die Investitionspläne der großen Cloud-Anbieter. Nach Berechnungen von JPMorgan wollen Alphabet, Amazon, Meta, Microsoft und Oracle im laufenden Jahr zusammen rund 733 Milliarden US-Dollar an Kapitalausgaben tätigen – Nvidia soll davon rund 26 Prozent abbekommen. Diese Größenordnung erklärt, warum institutionelle Investoren trotz der bereits hohen Bewertung weiter zukaufen.
Ark Invest baut Position weiter aus
Cathie Woods Ark Invest kaufte an drei Handelstagen im Juli und August Nvidia-Aktien im Volumen von 59,9 Millionen US-Dollar über fünf ETFs und erhöhte damit die Gesamtposition um 24 Prozent auf über 303,6 Millionen US-Dollar. Solche Zukäufe kurz vor dem Zahlentermin signalisieren Vertrauen in die kurzfristige Entwicklung, stehen aber im Kontrast zur Skepsis, die Goldman Sachs mit Blick auf die eingepreisten Erwartungen äußert.
Auf der Produktseite treibt Nvidia mehrere Großprojekte voran. Der Konzern kündigte an, die Produktion für die Vera-Rubin-Plattform hochzufahren und die Entwicklung der nachfolgenden Feynman-Generation zu beschleunigen, die für Ende 2028 erwartet wird.
Beim Nachfolgechip Rubin Ultra bestätigte Nvidia eine Speicherausstattung von 768 Gigabyte HBM4E-Speicher, weniger als ursprünglich mit einem Terabyte geplant – Grund sind Lieferengpässe bei Hochleistungsspeicher. Die zugehörige Kyber-Plattform bleibe aber im Zeitplan für die zweite Jahreshälfte 2027, betonte das Unternehmen und wies Spekulationen über eine Verschiebung auf 2028 zurück.
Parallel expandiert Nvidia geografisch: Gemeinsam mit Firebird, Dell und CoreWeave entsteht in Armenien die größte KI-Fabrik der GUS-Region mit geplant mehr als 70.000 Rubin- und Blackwell-GPUs und einer Kapazität von 300 Megawatt bis Ende 2027. Zudem läuft die Serienfertigung der Spectrum-X-Ethernet-Photonics-Netzwerktechnik an, die nach Unternehmensangaben eine fünffach höhere Energieeffizienz bieten soll.
Für Anleger bleibt der 26. August der entscheidende Test: Die Kombination aus hohen Wachstumsraten, milliardenschweren Infrastrukturwetten und einer bereits stark gelaufenen Aktie lässt wenig Spielraum für Enttäuschungen.
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