Piper Sandler traut Nvidia einiges zu: Die Analysten starten die Coverage mit „Overweight“ und einem Kursziel von 300 Dollar. Zum aktuellen Kurs von rund 224 Dollar wäre das ein deutliches Aufwärtspotenzial. Begründet wird das mit einem Marktanteil von 80 Prozent im KI-Compute-Geschäft und einer erwarteten Umsatzwachstumsrate von 47 Prozent pro Jahr bis zum Geschäftsjahr 2030.

Die Rechnung dahinter: Bei einem KGV von etwa 14 auf Basis der Gewinnschätzungen für 2028 ergibt sich ein PEG-Verhältnis von 0,3 — ein Wert, der die Aktie im Vergleich zum erwarteten Wachstum günstig aussehen lässt. Andere Häuser liegen mit ihren Zielen sogar höher: BMO Capital sieht 340 Dollar, StoneX 335 Dollar, Needham und Piper Sandler jeweils 300 Dollar. Das Analystenbild ist damit klar bullish, auch wenn die genauen Zielmarken variieren.

Burry nimmt Risiko raus, nicht die These

Für Aufsehen sorgt daneben ein Rückzug aus einer ganz anderen Ecke: Michael Burry hat seine Dezember-Puts auf Nvidia verkauft. Wer das als Kapitulation vor der KI-Rally liest, übersieht die Optionsmathematik.

Die Kontrakte mit Basispreis um 110 Dollar wären erst bei einem Kursverlust von rund 50 Prozent bis zum Verfall am 18. Dezember ins Geld gelaufen — bei einem Nvidia-Kurs von zuletzt 223 Dollar ein unrealistisches Szenario in der verbleibenden Zeit. Puts mit längerer Laufzeit, etwa auf den Nasdaq-100-ETF QQQ, hält Burry weiterhin.

Ermittlungen zum Groq-Deal

Parallel dazu meldet sich das US-Justizministerium zu Wort. Es prüft, ob Nvidia die Lizenzvereinbarung mit dem KI-Chip-Startup Groq bewusst so strukturiert hat, um eine reguläre Fusionskontrolle zu umgehen. Im Rahmen des im Dezember 2025 verkündeten Deals wechselten Groq-Chef Jonathan Ross und Betriebschef Sunny Madra zu Nvidia, ohne dass eine klassische Übernahme stattfand — eine Konstruktion, die automatische Behördenprüfungen vermeidet.

Eine Rückabwicklung erwarten Beobachter derzeit nicht, ein Bußgeld bei festgestelltem Fehlverhalten wäre aber möglich. Groq selbst bleibt unabhängig und hatte im August eine Finanzierungsrunde über 350 Millionen Dollar bekanntgegeben, an der sich Nvidia beteiligen will.

Für die Infrastruktur-Seite hat Nvidia zudem Partnerschaften mit acht australischen Firmen verkündet, um dort bis 2027 rund zwei Gigawatt an Rechenzentrumskapazität aufzubauen.

Der Bewertungsstreit um die Aktie dreht sich damit weiter um dieselbe Kernfrage: Wie lange hält die Knappheit bei KI-Rechenleistung an, auf die Piper Sandler seine 300-Dollar-Prognose stützt — die Analysten rechnen mit anhaltend engem Angebot für die nächsten zwei bis drei Jahre.