Nvidia übernimmt Kreditgarantien von bis zu 105 Milliarden Dollar für ein neues KI-Rechenzentrum in Pike County, Ohio. Der Campus soll eine Leistung von acht Gigawatt erreichen und OpenAI als Hauptmieter beherbergen.
Zusätzlich investiert Nvidia direkt 1,5 Milliarden Dollar in den Projektentwickler SB Energy, eine Tochtergesellschaft von SoftBank. Im Gegenzug sichert sich Nvidia die Rolle als exklusiver Anbieter der KI-Rechenleistung für den gesamten Standort.
Die Dimension des Deals wirft Fragen auf. Marktbeobachter, darunter Mark Cuban, kritisieren, Nvidia entwickle sich zunehmend zu einer Art Bank für die KI-Branche. Der Vorwurf lautet, das Unternehmen finanziere über massive Kreditzusagen faktisch die eigenen Kunden – ein Modell, das Risiken einer zirkulären Finanzierung berge, bei der Umsätze durch selbst bereitgestelltes Kapital entstehen.
Diese Sorge ist nicht neu: Bereits Mitte August hatte Nvidia zusammen mit sechs Finanzpartnern einen Kreditpool im Volumen von 500 Milliarden Dollar aufgelegt, aus dem Unternehmenskunden, KI-Labore und Cloud-Anbieter den Kauf von Nvidia-Hardware finanzieren können.
Zahlen im Fokus: Quartalsbericht am 26. August
Für Anleger rückt nun der nächste fixe Termin in den Vordergrund. Nvidia wird die Ergebnisse für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 am 26. August nach Börsenschluss vorlegen. Das Management hatte zuvor einen Umsatz von 91,0 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt, mit einer Schwankungsbreite von plus/minus 2 Prozent, bei einer Bruttomarge von rund 75 Prozent.
Angesichts der milliardenschweren Finanzierungsvereinbarungen dürfte die Frage, wie viel davon organisches Wachstum und wie viel durch eigene Kreditvergabe gestütztes Geschäft ist, im Zentrum der Telefonkonferenz stehen.
Auf der operativen Seite gibt es unterdessen Entwarnung bei einem zuvor kursierenden Sorgenthema: Die Zulieferer Coherent und Lumentum erklärten in Investorengesprächen, die Produktion der Co-Packaged-Optics-Lösungen für Nvidias nächste Serverchip-Generation liege weiterhin im Zeitplan für das späte Jahr 2026. Gerüchte über Verzögerungen hätten sich damit nicht bestätigt.
Kursverlauf spiegelt gemischte Stimmung
Die Nvidia-Aktie notiert aktuell bei 190,20 Euro und verliert am heutigen Dienstag 2,2 Prozent. Damit entfernt sich das Papier weiter von seinem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro, das am 14. Mai erreicht wurde – der Abstand beträgt derzeit 6,1 Prozent. Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Plus von 6,8 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn summiert sich der Zuwachs auf 19 Prozent.
Die jüngste Kursschwäche fällt in eine Phase, in der die milliardenschweren Finanzierungskonstrukte des Unternehmens verstärkt kritisch hinterfragt werden.
Gleichzeitig bleibt die fundamentale Wachstumsstory intakt: Der Umsatzausblick für das kommende Quartal ist hoch, die Lieferkette für neue Chipgenerationen funktioniert nach Angaben der Zulieferer reibungslos, und mit Ohio sichert sich Nvidia langfristige Nachfrage von einem der größten KI-Akteure überhaupt. Ob die Rolle als Finanzier der eigenen Kundschaft dem Unternehmen langfristig nutzt oder schadet, dürfte auch die anstehende Berichtssaison prägen.
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