Die Zahlen waren gigantisch, doch die Reaktion fällt ernüchternd aus. Nvidia lieferte am Mittwoch nach Börsenschluss Quartalsergebnisse ab, die selbst optimistische Erwartungen übertrafen – und trotzdem will die Aktie nicht so richtig steigen. Im vorbörslichen Handel am Donnerstag liegt das Papier gerade einmal 1,2 Prozent im Plus. Was ist da los?
Der Chipkonzern verbuchte im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 einen Umsatz von 68 Milliarden Dollar – rund 2 Milliarden über den Analystenschätzungen und sage und schreibe 3 Milliarden über der eigenen Prognose. Der bereinigte Gewinn je Aktie kletterte auf 1,62 Dollar und schlug die Erwartungen um 8 Cent. Auch der Ausblick auf das laufende Quartal überzeugt rechnerisch: 78 Milliarden Dollar Umsatz erwartet das Management, während der Konsens bei nur 72,1 Milliarden lag.
Analysten suchen nach Erklärungen
„Wir sind nicht sicher, was Investoren an diesem Punkt noch hören wollen“, kommentiert Stacy Rasgon von Bernstein die verhaltene Marktreaktion. Analyst Simon Leopold von Raymond James zeigt sich „etwas ratlos“ angesichts des gedämpften Kursverlaufs. Die Nachfrage bleibe robust, die operative Umsetzung beeindruckend.
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Morgan-Stanley-Analyst Joseph Moore bezeichnet die Zahlen gar als „größten und klarsten Beat and Raise in der Geschichte der Halbleiterbranche“ – und übertrifft damit sogar Nvidias eigene Leistung vom Vorquartal. Dass die Aktie dennoch kaum reagiert, überrascht selbst die Profis an der Wall Street.
Das Problem sitzt tiefer
Die Erklärung liegt offenbar nicht in den Zahlen selbst, sondern in der veränderten Stimmung rund um das Thema Künstliche Intelligenz. Nach 14 Quartalen in Folge mit deutlichen Umsatzüberraschungen haben sich die Märkte an Nvidias Glanzleistungen gewöhnt. Die Messlatte für echte positive Überraschungen liegt mittlerweile extrem hoch.
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Hinzu kommt wachsende Skepsis bei Investoren: Sie wollen zunehmend Beweise für die tatsächliche Monetarisierung von KI-Investitionen sehen. Die Tatsache, dass im vergangenen Quartal das Netzwerk-Geschäft stärker zulegte als das Kerngeschäft mit Recheneinheiten, sorgte für zusätzliche Verunsicherung. Auch vage Aussagen zum China-Geschäft drückten auf die Stimmung.
Die Nervosität an den Märkten hatte sich zuletzt etwas gelegt – der Volatilitätsindex VIX fiel von 21 auf etwa 18 Punkte. Doch die verhaltene Reaktion auf Nvidias Zahlen zeigt: Die Begeisterung für KI-Aktien ist selektiver geworden. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 24 für 2026 und 18 für 2027 bleibt die Bewertung nach Ansicht der Bank of America zwar attraktiv. Doch kurzfristig scheint der Markt mehr zu brauchen als nur starke Zahlen – nämlich Klarheit über die langfristige Nachhaltigkeit des KI-Booms.
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