Nvidia pulverisiert erneut alle Erwartungen. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 (Das abweichende Geschäftsjahr des Konzerns läuft von Anfang Februar bis Ende Januar des Folgejahres.) kletterte der Umsatz um 106 % auf 96,2 Milliarden US-Dollar, während der Nettogewinn um 126 % auf 59,7 Milliarden US-Dollar stieg. Auch die Prognosen für die kommenden Perioden liegen weit über den Schätzungen der Analysten. Die phänomenalen Zahlen scheinen die Warnungen vor einer KI-Blase mühelos zu entkräften. Doch unter der strahlenden Oberfläche offenbart der Quartalsbericht ein zunehmend gefährliches Geflecht.

Zirkuläre Finanzierung schürt Zweifel

Nvidia agiert längst nicht mehr nur als Chipentwickler, sondern treibt als aktiver Financier die eigene Nachfrage an. Der Konzern beteiligt sich an Kunden, garantiert Auslastungen und stützt die Kreditwürdigkeit von Cloud-Anbietern wie CoreWeave, Nebius oder Lambda.

Milliardenschwere Garantien als Bedrohung

Besonders brisant ist das Engagement beim gemeinsamen Großprojekt von OpenAI und SB Energy. Hier übernimmt Nvidia Garantien von bis zu 105 Milliarden US-Dollar für Miet- und Stromverpflichtungen. Zusammen mit weiteren Partnern summiert sich die maximale Bruttohaftung auf 108,5 Milliarden US-Dollar – mehr als der gesamte Quartalsumsatz. Fällt die Endnachfrage nach KI-Anwendungen schwächer aus als kalkuliert, droht nicht nur ein Einbruch des Chipabsatzes, sondern das schlagartige Wirksamwerden gigantischer Haftungsrisiken.

Die offenen Forderungen stiegen innerhalb von sechs Monaten auf 63,1 Milliarden US-Dollar, wobei lediglich fünf Großkunden für 70 % dieser Summe stehen. Gleichzeitig explodierten die Liefer- und Kapazitätsverpflichtungen auf 279 Milliarden US-Dollar.

Parallelen zur Dotcom-Blase

Die Situation erinnert einige Analysten stark an die Jahrtausendwende, als Cisco und Intel mit ähnlichen Methoden ihre Märkte künstlich aufblähten. Zwar wirtschaftet Nvidia mit einer Bruttomarge von 75 % hochprofitabel, doch die finanzielle Verflechtung birgt enorme Gefahren. Bleiben die erhofften Erträge aus KI-Anwendungen aus, könnte aus einer gewöhnlichen Marktabkühlung ein unkontrollierbarer finanzieller Dominoeffekt entstehen.