Gleich mehrere Meldungen rund um Nvidia verdichten sich dieser Tage zu einem klaren Bild: Der Chipriese positioniert sich neu – und das auf mehreren Fronten gleichzeitig.

Investitionsstopp bei OpenAI und Anthropic

Jensen Huang hat auf einer von Morgan Stanley veranstalteten Konferenz Anfang März klargemacht, dass die Ära direkter Großbeteiligungen an führenden KI-Labors für Nvidia vorerst beendet ist. Das ursprünglich auf bis zu 100 Milliarden Dollar angelegte Engagement bei OpenAI schrumpfte letztlich auf 30 Milliarden Dollar – und soll dabei bleiben. Auch die 10-Milliarden-Dollar-Beteiligung an Anthropic gilt als abgeschlossen.

Als offiziellen Grund nannte Huang die geplanten Börsengänge beider Unternehmen, die noch 2026 erwartet werden. Mit dem Gang aufs Parkett schließe sich das Zeitfenster für Direktinvestitionen. Hinter den Kulissen spielten offenbar aber auch inhaltliche Spannungen eine Rolle: Kritik an einem zirkulären Investitionsmodell – bei dem Nvidia-Kapital in KI-Firmen fließt, die es prompt für den Kauf von Nvidia-Hardware nutzen – hatte zuletzt für Stirnrunzeln bei Analysten gesorgt.

Eigenentwicklung statt Beteiligung

Statt weiter in externe KI-Labors zu investieren, baut Nvidia offenbar lieber die eigene Plattformstrategie aus. So arbeitet der Konzern an „Nemoclaw“, einer Open-Source-Plattform für KI-Agenten, die dem etablierten System „Openclaw“ direkt Konkurrenz machen soll – obwohl Huang dessen Entwickler noch kurz zuvor öffentlich gelobt hatte. Zusätzliche Sicherheitsebenen sollen dabei auch bisher zögerliche Unternehmen zum Einsatz solcher Agentensysteme bewegen.

Parallel dazu integriert der Konzern seine Technologie tiefer in die Unternehmenslandschaft: IT-Dienstleister NTT DATA stellte diese Woche sogenannte „Enterprise AI Factories“ vor, die vollständig auf Nvidia-Infrastruktur aufbauen – von GPU-beschleunigtem Rechnen über Hochleistungsnetzwerke bis hin zu NIM-Microservices. Erste Einsatzgebiete reichen von der Krebsforschung bis zur Batterieproduktion.

Analysten bleiben optimistisch

Trotz der strategischen Neuausrichtung und der allgemeinen Nervosität rund um eine mögliche KI-Blase hält die Investmentbank Citi an ihrer bullishen Einschätzung fest. Mit einem Kursziel von 270 Dollar sehen die Analysten beim aktuellen Kursniveau ein Aufwärtspotenzial von rund 52 Prozent – den höchsten erwarteten Gesamtertrag im gesamten Halbleiter-Abdeckungsuniversum der Bank. Als kurzfristigen Kurstreiber nennt Citi die bevorstehende GTC-Konferenz, auf der Anleger insbesondere Entwicklungen rund um Inferenz-Workloads und neue Speicherarchitekturen im Blick haben werden.

Dass die KI-Infrastrukturkonjunktur trotz aller Skepsis intakt bleibt, zeigt unterdessen TSMC: Der weltgrößte Chipauftragsfertiger – und damit wichtiger Fertigungspartner Nvidias – meldete für Januar und Februar 2026 ein kombiniertes Umsatzwachstum von fast 30 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Ein Indiz dafür, dass die Nachfrage nach Hochleistungschips für KI-Anwendungen weiterhin auf vollen Touren läuft.