Nvidia hat den KI-Boom wie kein zweites Unternehmen angefeuert. Doch an der Börse herrscht plötzlich verkehrte Welt. Seit dem Allzeithoch im Mai hat der Chip-Gigant rund eine Billion US-Dollar an Marktwert eingebüßt. Das Kuriose daran ist, dass die Geschäfte weiterhin fantastisch laufen. Analysten schrauben ihre Gewinnerwartungen sogar fleißig weiter nach oben. Trotzdem wird die Aktie aktuell nur noch mit dem 18-Fachen der erwarteten Gewinne gehandelt. Damit ist Nvidia bewertungstechnisch wieder so günstig wie im Jahr 2019 – also noch vor dem ganz großen Hype. Das Papier ist damit inzwischen sogar niedriger bewertet als der breite US-Markt.

Das große Stühlerücken im KI-Sektor

Der Grund für den Kursrutsch liegt nicht an Nvidias operativer Leistung, sondern an einem Strategiewechsel der Investoren. Die erste Phase der blinden Euphorie, in der fast jede KI-Aktie ohne Hinsehen gekauft wurde, ist vorbei. Der Markt wird deutlich wählerischer. Zuletzt floss massig Kapital in andere Bereiche der KI-Wertschöpfungskette, vor allem in Hersteller von superschnellen Speicherchips wie Micron oder SK Hynix. Mittlerweile nehmen Anleger aber auch dort Gewinne mit. Die KI-Rally ist in ihrer zweiten Phase angekommen. Geschäftsmodelle, echte Margen und konkrete Marktpositionen werden jetzt knallhart hinterfragt.

Trotz Kurs-Flaute: Der König bleibt auf dem Thron

Nvidia war schlichtweg ein extrem überlaufener Trade. Viele Profianleger haben Gewinne mitgenommen, um Geld für andere vielversprechende KI-Nischen freizumachen. Am Fundament ändert das jedoch überhaupt nichts. Das Unternehmen beherrscht weiterhin sagenhafte 97 % des Marktes für Server-Grafikprozessoren. Für das laufende Geschäftsjahr rechnen Experten mit einem Umsatz von 393 Milliarden Dollar und einem satten Gewinn von 228 Milliarden Dollar. Die große Mehrheit der Analysten rät weiterhin ungerührt zum Kauf und sieht im Schnitt ein Kurspotenzial von über 50 %.