Während die Nvidia Aktie im Frankfurter Handel zuletzt auf rund 179 Euro notierte und minimal abgab, richtet sich der Blick vieler Investoren auf eine ganz andere Nachricht. Der Chipkonzern verschärft seine Vertriebskontrollen in Asien deutlich und reagiert damit auf den zunehmenden politischen Druck rund um die amerikanischen Exportbeschränkungen gegenüber China. Die Kursentwicklung bildet dabei lediglich den Hintergrund für eine strategische Neuausrichtung des Vertriebs.

Nvidia bleibt oben dabei!

Nach den vorliegenden Informationen reduziert Nvidia die Zahl autorisierter Vertriebspartner in Singapur, Malaysia und Japan um mehr als die Hälfte. Gleichzeitig führt das Unternehmen eine sogenannte White List ein. Nur Geschäftspartner mit umfangreich geprüften Compliance Strukturen sollen künftig weiterhin KI-Chips beziehen können. Unternehmen, die diese Anforderungen derzeit nicht erfüllen, verlieren zunächst ihre Bezugsberechtigung und müssen ihre internen Prozesse anpassen, bevor sie erneut zugelassen werden.

Auslöser dieser Maßnahmen ist ein Ermittlungsverfahren aus den USA. Staatsanwälte werfen Verantwortlichen von Super Micro Computer vor, Nvidia Chips im Wert von rund 2,5 Milliarden US Dollar über eine Tarnfirma in Südostasien nach China geliefert zu haben. Der Fall zeigte nach Einschätzung vieler Beobachter, dass bestehende Exportkontrollen umgangen werden konnten. Nvidia reagiert darauf nun mit deutlich strengeren internen Prüfungen und enger gefassten Zulassungsverfahren für seine Vertriebspartner.

Parallel verschlechtern sich die Aussichten im chinesischen Markt. Obwohl die Vereinigten Staaten den Export älterer H200 Chips teilweise wieder ermöglicht haben, untersagten chinesische Behörden heimischen Unternehmen deren Erwerb. Stattdessen investiert China verstärkt in eigene Halbleiterlösungen und baut seine heimische KI-Industrie weiter aus. Zusätzlich verweist BofA Analyst Vivek Arya auf steigende Speicherkosten und den zunehmenden Wettbewerb durch große Cloud Anbieter, die eigene KI-Prozessoren entwickeln. Trotz dieser Belastungen wird Nvidia laut den bereitgestellten Informationen aktuell lediglich mit dem 18-fachen bis 21-fachen der erwarteten Gewinne bewertet und damit unter dem Bewertungsniveau des S&P 500.