Ein Satz von Jensen Huang genügte gestern, um Nvidia um 2,6 Prozent auf 191,16 Euro nach oben zu treiben. Bei einem Gipfeltreffen in Schottland kündigte der Nvidia-Chef an, das Unternehmen werde im kommenden Jahr doppelt so viele Chips verkaufen wie in diesem. Für mich ist das mehr als eine Show-Ansage – und genau deshalb lohnt ein genauerer Blick.

Ein Muster, das sich wiederholt

Wer Huang länger verfolgt, kennt sein Faible für große Zahlen. Doch diesmal fügt sich die Ankündigung in ein dichtes Geflecht operativer Fortschritte, die die These stützen.

Erst vor wenigen Tagen veröffentlichte Nvidia vorläufige MLPerf-Ergebnisse, wonach das neue Vera-Rubin-NVL72-System beim Qwen3-VL-Test bis zu 3,7-mal so viel Inferenz-Durchsatz liefert wie der Vorgänger GB300. Das ist kein Marketing-Versprechen, sondern ein gemessener Benchmark – und für mich der eigentliche Unterbau der Verdopplungs-Ansage. Wer die Rechenleistung derart steigert, kann plausibel auch die Stückzahlen hochfahren, ohne dass die Kunden die Lust verlieren.

Auch die Partnerlandschaft wächst weiter. Nvidia baut in Australien mit einem wachsenden Kreis von Cloud-Partnern Land-, Strom- und Gebäudekapazitäten aus – ein Baustein, der zeigt, dass die Infrastruktur für mehr Chips überhaupt erst geschaffen werden muss. Wer verdoppeln will, braucht Rechenzentren, Energie und Flächen. Dass Nvidia genau daran arbeitet, spricht für mich gegen die Lesart, Huangs Ankündigung sei bloße Rhetorik.

Ergänzend meldete sich das Unternehmen bei Salesforce Dreamforce zu Wort, wo Huang gemeinsam mit Marc Benioff auftrat – zeitgleich mit der Vorstellung von Koa, Salesforces erstem CRM-Produkt dieser Art.

Solche Auftritte wirken auf den ersten Blick wie PR-Termine, doch sie zeigen unterm Strich, wie tief Nvidias Hardware inzwischen in fremde Software-Ökosysteme eindringt. Jede neue Partnerschaft dieser Art erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die angekündigte Verdopplung nicht nur ein Zahlenspiel bleibt.

Bewertung und Risiko

Die Analysten von Piper Sandler nahmen die Coverage vor gut einer Woche mit einem Overweight-Rating und einem Kursziel von 300 US-Dollar auf – ein deutliches Signal, dass zumindest ein Teil der Wall Street die Wachstumsstory teilt. Ich sehe darin eine Bestätigung, keinen Beweis: Kursziele sind Meinungen, keine Garantien.

Mit Blick auf den Kurs zeigt sich, dass der Markt die Ankündigung nicht euphorisch, sondern nüchtern goutiert hat. Die Aktie notiert weiterhin 5,6 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro, das sie im Mai markierte. Der RSI von 53,1 signalisiert für mich, dass hier keine Überhitzung vorliegt – Raum nach oben bliebe also, sollte sich die Wachstumsthese in den kommenden Quartalen bestätigen.

Gleichzeitig darf man die Kehrseite nicht ausblenden: Eine annualisierte Volatilität von 39 Prozent zeigt, wie nervös der Markt bei jeder Nvidia-Nachricht reagiert. Wer eine Verdopplung der Verkäufe verspricht, hängt die Messlatte hoch – ein Verfehlen dieses Ziels würde die Aktie härter treffen als ein normales Gewinnwarnung-Szenario bei anderen Unternehmen.

Mein Fazit

Für mich überwiegen die Argumente, die für Substanz hinter Huangs Ansage sprechen: gemessene Leistungssprünge, wachsende Infrastruktur-Partnerschaften und ein Analystenhaus, das frisch mit einem optimistischen Kursziel eingestiegen ist.

Die Aktie hat seit ihrem Jahrestief im März bereits ein Drittel zugelegt und bewegt sich rund 12 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt – ein Zeichen, dass der Aufwärtstrend intakt ist, ohne bereits überzogen zu wirken.

Wer an die KI-Infrastrukturwende glaubt, findet in dieser Ankündigung einen weiteren Baustein, der die Story stützt. Ein Selbstläufer ist sie deshalb noch lange nicht – die hohe Volatilität bleibt der Preis, den Anleger für diese Wachstumsfantasie zahlen.