Ray Dalio zieht einen historischen Vergleich, der aufhorchen lässt: Der KI-Boom erinnere ihn an die Technologie-Euphorie der späten 1920er Jahre, kurz vor der Weltwirtschaftskrise. Für Nvidia, den zentralen Profiteur der KI-Rally, ist das keine beiläufige Randnotiz. Der Chipkonzern steht im Zentrum einer Debatte, die diese Woche gleich von mehreren Seiten befeuert wird.

Nach einem kräftigen Abverkauf am Montag zeigten Chipwerte am Dienstag vorbörslich eine leichte Gegenbewegung. Nvidia gewann rund 0,7 Prozent zurück, nachdem die Aktie zuvor um mehr als 3 Prozent nachgegeben hatte.

Belastet wird die Stimmung von einer neu entfachten Debatte um KI-Sicherheit: Anthropic-Chef Dario Amodei hatte am Wochenende zu einer langsameren Entwicklungsgeschwindigkeit aufgerufen, ein ehemaliger Google-DeepMind-Forscher warnte offen vor existenziellen Risiken der Technologie.

Bank of America bleibt trotz allem optimistisch

Während die Sicherheitsdebatte für Nervosität sorgt, rechnet Bank of America langfristig mit noch stärkerem Wachstum als bisher angenommen. Die Bank hob ihre Wachstumsprognose für die US-Halbleiterbranche auf ein jährliches Plus von 18 Prozent bis 2030 an, nach zuvor 14 Prozent. Der gesamte adressierbare Markt soll bis dahin auf 3,2 Billionen Dollar wachsen, angetrieben vor allem von Speicherchips und Rechenzentrums-Komponenten.

Auch die Investitionen in Fertigungsanlagen ziehen laut der Bank deutlich an. Für Nvidias GPU-Vermietpreise nennt die Analyse einen Stundensatz von 5,72 Dollar für das B200-Modell, nur wenig unter dem Höchststand vom März.

Parallel wächst der Konkurrenzdruck. Samsung investiert gemeinsam mit europäischen Geldgebern mehr als 200 Millionen Euro in das niederländische KI-Chip-Startup Euclyd, das mit einer neuen Architektur eine Alternative zu Nvidias GPUs schaffen will.

Zugleich engagiert sich Nvidia selbst als Kapitalgeber im eigenen Ökosystem: Beim geplanten US-Börsengang des SoftBank-Rechenzentrumsbetreibers SB Energy hat der Konzern eine Beteiligung von 1,5 Milliarden Dollar zugesagt, OpenAI erhielt im Zuge des Deals Optionsscheine im Wert von rund 5,5 Milliarden Dollar.

Ruhiger VIX, aber ein dichter Terminkalender

Der Optionsmarkt zeigt sich derzeit ungewöhnlich gelassen. Der Volatilitätsindex VIX notiert bei rund 15 Punkten und damit deutlich unter seinem langfristigen Schnitt von etwa 19 – ein Signal, das nach dem Kollaps eines überschuldeten KI-Hedgefonds eher überrascht. Anleger ziehen sich Marktbeobachtungen zufolge zunehmend aus konzentrierten KI-Wetten zurück und streuen ihr Kapital breiter.

Das dürfte sich in den kommenden Wochen testen lassen: Die US-Notenbank tagt ab heute zwei Tage lang, weitere Zinsentscheidungen folgen im Oktober und Dezember. Steigende Ölpreise und Marktzinsen erhöhen unterdessen den Druck auf Bewertungen im gesamten Tech-Sektor.

Der nächste belastbare Test für Dalios Warnung dürfte die anstehende Berichtssaison der großen Hyperscaler liefern. Bestätigen Amazon, Microsoft, Alphabet und Meta ihre geplanten Rekordinvestitionen in Rechenzentren, bleibt die Kapitalspirale rund um Nvidia intakt. Kappt einer der Konzerne seine Prognose, dürfte die Blasen-Diskussion neuen Auftrieb bekommen.