Ausgangslage: Rekordzahlen treffen auf Nervosität am Markt
Nvidia hat mit seinem jüngsten Quartalsbericht die hohen Erwartungen übertroffen. Der Umsatz stieg im zweiten Fiskalquartal 2027 um rund 106 Prozent auf 96,22 Milliarden Dollar, das Ergebnis je Aktie lag bei 2,22 Dollar und damit über dem Konsens von 2,0887 Dollar.
Das Rechenzentrumsgeschäft, mit 89 Milliarden Dollar der mit Abstand größte Umsatzträger, wuchs um 117 Prozent. Für das laufende Quartal stellt das Unternehmen einen Umsatz von 108 Milliarden Dollar in Aussicht, mit einer Schwankungsbreite von zwei Prozent und ohne China-Geschäft eingerechnet.
Parallel dazu vertiefte Nvidia seine Partnerschaft mit dem taiwanischen Chiphersteller MediaTek: Mit 3,5 Milliarden Dollar beteiligte sich der Konzern an einer Wandelanleihe über insgesamt 3,9 Milliarden Dollar – die größte Auslandsanleihe Taiwans und zugleich die größte Direktinvestition Nvidias außerhalb der USA.
MediaTek erhält im Gegenzug Zugang zu NVLink Fusion und kann künftig kundenspezifische AI-Chips für Nvidias Rechenzentrumsökosystem anbieten. Die MediaTek-Aktie sprang daraufhin um zehn Prozent.
Trotz dieser Nachrichtenlage bewegt sich die Nvidia-Aktie im deutschen Handel mit 187,00 Euro leicht unter dem Niveau der vergangenen Woche und liegt 1,6 Prozent unter dem Vortagesschluss von 190,04 Euro. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro beträgt knapp acht Prozent – ein Hinweis darauf, dass der Markt die guten Zahlen bereits teilweise eingepreist hat und nun genauer hinschaut, ob das Wachstumstempo zu halten ist.
Die entscheidende Frage: Hält das Rechenzentrumswachstum die 70-Prozent-Marke?
Für Anleger reduziert sich die Entscheidung im Kern auf eine Kennzahl: das Wachstumstempo im Rechenzentrumsgeschäft. Nvidia selbst stellt für das kommende Geschäftsjahr ein Wachstum von rund 70 Prozent in Aussicht.
Ob dieses Tempo erreichbar ist, hängt an der Nachfrage nach der neuen Blackwell-Ultra-Generation (GB300), die bereits in Massenproduktion an Microsoft, Oracle und CoreWeave ausgeliefert wird, sowie an der Rubin-Architektur, die als Nachfolger positioniert ist.
Zusätzliche Brisanz erhält die Frage durch Lieferbindungen von 279 Milliarden Dollar, die Nvidia laut Marktbeobachtern bereits eingegangen ist – ein Kapazitätsversprechen, das eingehalten werden muss.
Bullisches Szenario: Systemvorteil und Ökosystem-Ausbau
Für Optimisten spricht, dass sich Nvidias Vorteil zunehmend von der reinen GPU-Leistung auf das Gesamtsystem verschiebt. Die Vera-Rubin-Architektur, die Rubin-GPUs mit Vera-CPUs kombiniert, soll laut Unternehmensangaben bei bestimmten Operationen eine bis zu dreifache Verbesserung bringen.
Die MediaTek-Partnerschaft erweitert das NVLink-Fusion-Ökosystem auf Custom-Chips, Edge-AI und softwaredefinierte Fahrzeuge und schafft zusätzliche Erlösquellen über Lizenzierung. Tesla-Chef Elon Musk erklärte, sein Unternehmen setze bei KI-Infrastruktur ausschließlich auf Nvidia, da die Rubin-Architektur die Inferenzkosten um das Zehnfache senken könne.
Auch Analysehäuser wie Yuanta sehen die MediaTek-Kooperation als Stärkung der Marktreichweite Nvidias im AI-Infrastrukturgeschäft. Sollte die Nachfrage nach Rechenzentrumskapazität ungebrochen bleiben, dürfte die Aktie ihren Aufwärtstrend – seit Jahresbeginn bereits 17 Prozent im Plus – fortsetzen.
Bärisches Szenario: Bewertung, Konkurrenz und Finanzierungsrisiken
Dagegen steht eine ernstzunehmende Risikoliste. Nvidia pausierte laut Reuters Teile seines Finanzierungsprogramms, das kleineren AI-Cloud-Anbietern Kreditunterstützung bot – ein Zeitpunkt, der angesichts der hohen Wachstumsprognosen unglücklich wirkt, sollte sich die Zugänglichkeit von Kapital für Kunden verschlechtern.
Die Konkurrenz rüstet zudem auf: Google mit eigenen TPUs, Cerebras mit dem CS-4-System und Microsoft mit dem für Herbst erwarteten Maia-300-Chip könnten Marktanteile abgreifen. Hinzu kommt die Bewertung – bei einem KGV von 44 sind hohe Erwartungen bereits eingepreist, und die 30-Tage-Volatilität von 44 Prozent zeigt, wie nervös der Markt auf neue Datenpunkte reagiert.
Ein Rückfall des Rechenzentrumswachstums unter die in Aussicht gestellte Marke würde die Bewertung schnell unter Druck setzen, wie der Kursrutsch vom 3. September 2024 nach schwachen US-Fabrikdaten gezeigt hat, als Nvidia binnen eines Tages rund 279 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung verlor.
Ausblick: Zwischen 50-Tage-Linie und nächstem Quartalsbericht
Solange sich der Kurs über dem 50-Tage-Durchschnitt von 181,58 Euro hält – aktuell ein Abstand von drei Prozent – bleibt der kurzfristige Trend intakt, auch wenn der RSI von 51,2 auf eine neutrale Marktstimmung ohne klare Richtung hindeutet.
Kippt der Kurs unter diese Linie und bestätigen sich Zweifel an der 70-Prozent-Wachstumsprognose fürs kommende Geschäftsjahr, dürfte die Bewertungsdiskussion an Schärfe gewinnen.
Der nächste konkrete Prüfstein ist die Frage, ob Nvidia sein Q3-Umsatzziel von 108 Milliarden Dollar tatsächlich erreicht – die Zahlen dazu werden zeigen, ob die aktuelle Wachstumsdynamik im Rechenzentrumsgeschäft trägt oder ob die hohen Lieferverpflichtungen zur Belastung werden.
Nvidia-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Nvidia-Analyse vom 1. September liefert die Antwort:
Die neusten Nvidia-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Nvidia-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 1. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Nvidia: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

