Nvidia, Nordex & PayPal: Wenn Quartalszahlen zu Schicksalstagen werden – und Übernahmegerüchte für Kursfeuerwerk sorgen

Nvidia steht vor entscheidender Quartalsbilanz, während Nordex mit starken Zahlen glänzt und PayPal von Übernahmespekulationen profitiert. Der DAX überwindet die 25.000-Punkte-Marke.

Nvidia, Nordex & PayPal: Wenn Quartalszahlen zu Schicksalstagen werden – und Übernahmegerüchte für Kursfeuerwerk sorgen
Kurz & knapp:
  • Nvidia legt Quartalszahlen mit hohen Erwartungen vor
  • Nordex-Aktie steigt nach beeindruckenden Ergebnissen stark
  • PayPal profitiert von Übernahmegerüchten durch Stripe
  • DAX erreicht wieder die 25.000-Punkte-Marke

Liebe Leserinnen und Leser,

als die Börsenglocke in New York heute schloss, war eines klar: Die Märkte halten den Atem an. Nicht wegen Donald Trumps Rede zur Lage der Nation – die brachte erwartungsgemäß wenig Neues. Sondern wegen dem, was nach Handelsschluss passiert: Nvidia legt Zahlen vor, und damit steht die gesamte KI-These auf dem Prüfstand. Derweil sorgt in Deutschland ein Windkraftkonzern mit spektakulären Zahlen für Begeisterung, während an der NASDAQ Übernahmefantasien einen Zahlungsriesen beflügeln. Drei Geschichten, die zeigen: Manchmal entscheiden nicht Fundamentaldaten über Kurse, sondern Erwartungen, Hoffnungen – und die Frage, ob die Messlatte nicht längst zu hoch liegt.

Der 66-Milliarden-Dollar-Moment: Warum Nvidia heute Abend die Tech-Welt regiert

Es ist paradox: Der DAX kletterte heute um 0,8 Prozent auf 25.176 Punkte, die Wall Street zeigte sich freundlich – und doch dominierte eine einzige Frage die Handelssäle: Was wird Nvidia nach Börsenschluss verkünden? Der Chipgigant gilt als „Seismograf für die Investitionsbereitschaft im KI-Komplex“, wie Index-Radar treffend formuliert. Die Konsenserwartung liegt bei einem Gewinn von 1,52 Dollar je Aktie und einem Umsatz von 65,56 Milliarden Dollar – ein Plus von 67 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Doch die Messlatte liegt hoch, vielleicht zu hoch. „Angesichts der hohen Erwartungen werden Anleger heute Abend in Nvidias Bilanz versuchen, das sprichwörtliche Haar in der Suppe zu finden“, warnt Chefmarktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank. Tatsächlich: Die Nvidia-Aktie hat 2026 bislang nur 3,4 Prozent zugelegt – bescheiden für einen Titel, der den Markt jahrelang dominierte. Viel wichtiger als die reinen Zahlen wird der Ausblick auf das Geschäftsjahr 2027 sein, insbesondere zur Auslieferung der neuen Blackwell-Chips. CFO Colette Kress hatte zuletzt von einer „halben Billion Dollar Umsatz-Sichtbarkeit“ gesprochen – eine gewaltige Ansage, die nun mit Leben gefüllt werden muss.

Die Nervosität ist spürbar: Optionsmärkte preisen eine Kursbewegung von plus/minus 5 Prozent ein – bei der aktuellen Marktkapitalisierung von 348 Milliarden Dollar entspricht das einem Swing von 230 Milliarden Dollar. Was auch immer Nvidia heute Abend verkündet: Es wird Wellen schlagen, weit über den Chipsektor hinaus.

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Nordex dreht auf: Wie ein Hamburger Windkraftkonzern die Börse elektrisiert

Während alle auf Nvidia starren, lieferte heute ein deutsches Unternehmen die vielleicht beeindruckendste Performance des Tages: Nordex schoss um 17,4 Prozent nach oben und erreichte den höchsten Stand seit Juni 2002. Der Grund: „hervorragende“ Quartalszahlen und ein Ausblick, der selbst optimistische Analysten überraschte.

Die Zahlen sprechen für sich: Das operative Ergebnis (EBITDA) kletterte 2025 auf 631 Millionen Euro – deutlich über den erwarteten 609 Millionen. Die Marge verbesserte sich von 4,1 auf 8,4 Prozent, im Schlussquartal sogar auf beeindruckende 12,1 Prozent. Doch der eigentliche Paukenschlag kam mit dem Ausblick: Nordex hob das mittelfristige Margenziel von 8 auf 10 bis 12 Prozent an und rechnet für 2026 mit Umsätzen zwischen 8,2 und 9,0 Milliarden Euro bei einer EBITDA-Marge von 8 bis 11 Prozent.

„Die starke Entwicklung 2025 und gute Sichtbarkeit auf Basis des Auftragsbestands“ begründen diese Zuversicht, so das Unternehmen. Tatsächlich stieg der Auftragseingang im Projektbereich um ein Viertel auf 9,3 Milliarden Euro. Analysten sehen nun Potenzial für Aufwärtsrevisionen bei den Gewinnschätzungen um rund 16 Prozent. Einziger Wermutstropfen: Die angekündigten Aktionärsausschüttungen ab 2027 – mindestens 50 Millionen Euro jährlich – fielen konservativer aus als erhofft. Doch angesichts der operativen Stärke dürfte das kaum jemanden kümmern.

PayPal im Rausch: Wenn Gerüchte mehr bewegen als Geschäftszahlen

Von 47 auf 48 Dollar vorbörslich – für die gebeutelte PayPal-Aktie ist das ein Hoffnungsschimmer. Bloomberg berichtete, dass der nicht börsennotierte Zahlungsabwickler Stripe eine Übernahme von PayPal erwäge, vollständig oder teilweise. Die Gespräche seien „in einem frühen Stadium“, offizielle Stellungnahmen gab es keine. Dennoch: Die Fantasie ist geweckt.

Für PayPal wäre ein Deal ein strategischer Befreiungsschlag. Die Aktie hat seit Jahresbeginn fast 20 Prozent verloren, das Unternehmen kämpft mit veralteter Technologie und Marktanteilsverlusten an Apple Pay und andere Wettbewerber. Ab 1. März übernimmt Enrique Lores, bisher HP-Chef, die Führung – ein Zeichen, dass die Probleme ernst genommen werden. Stripe wiederum, mit 159 Milliarden Dollar bewertet, wickelt bislang nur B2B-Zahlungen ab und hätte mit PayPal Zugang zu Millionen Endkunden.

Ob aus den Gerüchten Realität wird, ist völlig offen. Doch die Kursreaktion zeigt: Anleger sehnen sich nach einer Lösung für PayPals strukturelle Herausforderungen. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob mehr dahintersteckt als Spekulation.

DAX über 25.000: Erleichterung statt Euphorie

Der deutsche Leitindex schaffte es heute wieder über die psychologisch wichtige 25.000-Punkte-Marke – doch die Stimmung bleibt verhalten. „Vorfreude auf die Nvidia-Zahlen“ trieb den Markt, so Marktanalyst Andreas Lipkow. Tatsächlich: Das niedrige Handelsvolumen spiegelt Kaufzurückhaltung wider. „Niemand will sich zu weit aus dem Fenster lehnen. Die Gefahr ist zu groß, dass sich die geopolitische Situation durch einen Tweet oder eine militärische Aktion im Nahen Osten schlagartig ändern kann“, erklärt Lipkow.

Trumps Rede zur Lage der Nation brachte keine Überraschungen – er verteidigte seine Zollpolitik, nachdem der Supreme Court seine Notstandszölle kassiert hatte. Die Unsicherheit bleibt, auch wenn die Märkte vorerst Erleichterung zeigen. Eon legte um 3,5 Prozent zu und erreichte den höchsten Stand seit 2012, Fresenius drehte nach durchwachsenen Zahlen ins Plus. Heidelberg Materials hingegen enttäuschte trotz Rekordergebnis beim Umsatz.

Besonders brutal traf es Auto1: Die Aktie brach um 18 Prozent ein, obwohl die Zahlen solide ausfielen. Händler verwiesen auf gestiegene Leerverkäufe – ein Zeichen, dass Internet-Werte derzeit Spekulanten anziehen, die auf fallende Kurse setzen. Auch Nagarro stürzte ohne erkennbaren Grund um fast 10 Prozent ab.

Bitcoin erholt sich: Wenn 66.000 Dollar plötzlich wieder greifbar scheinen

Nach Tagen der Schwäche zeigt der Kryptomarkt Lebenszeichen: Bitcoin kletterte um 6,6 Prozent auf 68.286 Dollar, Ethereum legte 5,5 Prozent zu. Die Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen stieg um 3,1 Prozent auf 2,26 Billionen Dollar. Der Grund: nachlassende Sorgen über KI-Disruption und ein globaler Risikoappetit, der auch Aktien beflügelte.

Zudem verzeichneten US-Bitcoin-Spot-ETFs am Dienstag Nettozuflüsse von 258 Millionen Dollar – nach Abflüssen von 204 Millionen am Vortag. Fidelity führte mit 83 Millionen Dollar, gefolgt von BlackRocks iShares Bitcoin Trust mit 79 Millionen. Auch Ethereum-ETFs sahen nach Abflüssen wieder Zuflüsse von 9 Millionen Dollar.

Dennoch: Der CMC Fear and Greed Index zeigt weiterhin „extreme Angst“ mit einem Wert von 11. Bitcoin handelt 48 Prozent unter seinem Allzeithoch von 126.198 Dollar, Ethereum 61 Prozent unter dem Peak. Die Erholung ist fragil – und wie so oft könnte Nvidias Quartalsbericht auch hier die Richtung vorgeben.

Was diese Woche noch kommt

Morgen steht die nächste Runde Unternehmenszahlen an, darunter weitere deutsche Konzerne. Die Nvidia-Zahlen werden über Nacht analysiert und dürften die Eröffnung in Europa prägen. Zudem bleibt die Zollfrage virulent: Trump sucht nach neuen rechtlichen Wegen für seine Handelspolitik, nachdem der Supreme Court ihm einen Riegel vorgeschoben hat. Und im Hintergrund schwelt weiter der Konflikt mit dem Iran – ein Risiko, das Ölpreise und Edelmetalle bewegt.

Eines ist sicher: Die Märkte bleiben nervös, getrieben von Erwartungen, die immer schwerer zu erfüllen sind. Nvidia muss heute Abend liefern – und zwar nicht nur gute, sondern herausragende Zahlen. Alles andere könnte als „nicht gut genug“ gewertet werden. In Zeiten wie diesen entscheiden Details über Milliarden.

Bis morgen,
Andreas

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