Die eigenen Quartalszahlen lassen noch Wochen auf sich warten. Trotzdem steht Nvidia vor den vielleicht wichtigsten 48 Stunden des Jahres. Der KI-Chipentwickler notiert auf einem Rekordhoch, während die Börse gebannt auf die Bilanzen seiner größten Kunden blickt.

Die Aktie markierte am Dienstag bei 184,12 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch. Allein in den vergangenen 30 Tagen legte das Papier um fast 28 Prozent zu. Dieser Lauf befreit den Titel aus einer monatelangen Seitwärtsphase.

Milliardenbudgets auf dem Prüfstand

Alphabet öffnet am Dienstagabend die Bücher. Meta, Microsoft und Amazon folgen am Mittwoch nach US-Börsenschluss. Die Konzerne planen für 2026 kollektiv Investitionen von rund 300 Milliarden US-Dollar. Der Löwenanteil davon fließt in KI-Infrastruktur.

Nvidia ist der primäre Profiteur dieser Ausgaben. Das Kalkül ist simpel. Jede Kürzung der Budgets würde die gesamte Lieferkette unter Druck setzen. Ein erneutes Anheben der Prognosen dürfte den Kurs weiter antreiben. Der Optionsmarkt positioniert sich bereits eindeutig. Call-Optionen übersteigen Puts im Verhältnis von zwei zu eins.

Verzögerungen bei der nächsten Generation

Abseits der Rekordjagd baut sich operativer Gegenwind auf. Zulieferer wie SK Hynix und Micron kämpfen mit Verzögerungen bei der Verifizierung der neuen HBM4-Speicherchips. Nvidia senkte daraufhin laut einem Bericht der Investmentbank KeyBanc das Produktionsziel für die kommende Rubin-GPU. Statt zwei Millionen Einheiten peilt das Management für 2026 nun 1,5 Millionen Stück an.

Auch die Prognose für die entsprechenden Server-Racks halbierte sich auf rund 6.000 Einheiten. KeyBanc stuft die Aktie dennoch weiterhin auf „Overweight“ ein. Die Analysten verweisen auf Nvidias solide langfristige Strategie bei der Sicherung von fortschrittlichen Verpackungskapazitäten. Die fundamentale Nachfrage nach KI-Chips bleibt intakt.

Makroökonomie und eigener Ausblick

Parallel dazu rückt die Geldpolitik in den Fokus. Die US-Notenbank Fed verkündet am Mittwoch ihren Zinsentscheid. Ein restriktiver Ton von Fed-Chef Jerome Powell könnte die Risikobereitschaft im Halbleitersektor schnell dämpfen. Zuvor hatten bereits Zolldebatten im ersten Quartal für Unsicherheit gesorgt.

Nvidias eigenes Zahlenwerk folgt am 20. Mai. Das Management stellte zuletzt einen Quartalsumsatz von 78 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Bis dahin diktieren die Investitionspläne der Hyperscaler, ob die aktuelle Rekordbewertung des Chipentwicklers Bestand hat.