Die Aktie von Ocugen notiert nahe ihrem Jahrestief, und die Einschätzung externer Beobachter bleibt vorsichtig. Am 10. September bestätigte ein Analyst von Seeking Alpha seine Hold-Einstufung für den Titel und begründete dies mit dem gemischten Fortschritt der Studien im Auge-Portfolio des Unternehmens. Die Einschätzung fällt in eine Phase, in der Ocugen zwischen einem klinischen Rückschlag und mehreren strategischen Fortschritten balanciert.

Zwischen Rückschlag und Ausbauplänen

Auslöser der jüngsten Unsicherheit war die Zwischenauswertung der pivotalen GARDian3-Studie zu OCU410ST bei Stargardt-Erkrankung. Ein unabhängiges Datenüberwachungskomitee schloss die vorab geplante Analyse am 3. September ab und prüfte dabei 26 Studienteilnehmer, die ihre Acht-Monats-Untersuchung abgeschlossen hatten.

Das Komitee verwies auf ein Ungleichgewicht bei der Läsionsgröße zu Studienbeginn, das sich mit weiteren Daten noch auflösen könnte, räumte aber ein, dass die negative Richtung des beobachteten Behandlungseffekts theoretisch auch als Anzeichen für Futility gewertet werden könnte.

Die Empfehlung lautete dennoch, die Studie fortzusetzen und die vollständige Stichprobe auszuwerten. Genau diese Unsicherheit greift die Hold-Einstufung von Seeking Alpha auf: OCU410ST bleibe mit Fragezeichen behaftet, während die Studie an sich weiterläuft.

Losgelöst von diesem Rückschlag hat Ocugen zuletzt auch positive Nachrichten geliefert. Anfang September dosierte das Unternehmen den ersten Patienten in der Phase-3-Studie ArMaDa3 zu OCU410 bei geografischer Atrophie infolge trockener AMD – ein weiterer registrierungsrelevanter Meilenstein im Portfolio.

Bereits im Juli hatte Ocugen mit Roots Pharmaceutical und dessen Partner Al-Dhow International Holding eine bindende Absichtserklärung für eine exklusive Lizenz von OCU400 im Nahen Osten und Nordafrika unterzeichnet, die Vorab- und Meilensteinzahlungen von bis zu vier Millionen US-Dollar, kumulative Verkaufsmeilensteine von bis zu 255 Millionen US-Dollar sowie eine Lizenzgebühr von 22 Prozent auf Nettoumsätze vorsieht. Die Ausarbeitung eines endgültigen Vertrags sollte demnach binnen 90 Tagen erfolgen.

Finanzierung sichert Spielraum bis 2028

Finanziell hat sich Ocugen mit einer im Mai begebenen Wandelanleihe über 130 Millionen US-Dollar mit einem Kupon von 6,75 Prozent zusätzlichen Spielraum verschafft. Nach Rückzahlung von rund 32,7 Millionen US-Dollar an Verbindlichkeiten gegenüber Avenue Capital verblieben Nettoerlöse von etwa 112,5 Millionen US-Dollar.

Nach eigenen Angaben reicht die Liquidität damit bis ins Jahr 2028. Im zweiten Quartal erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 1,48 Millionen US-Dollar und übertraf damit die Analystenschätzung von 833.000 US-Dollar deutlich, während der Nettoverlust bei 24,9 Millionen US-Dollar lag und der Verlust je Aktie mit 0,07 US-Dollar die Erwartung von 0,05 US-Dollar verfehlte.

Die Forschungs- und Entwicklungskosten stiegen im Jahresvergleich von 8,40 auf 10,69 Millionen US-Dollar, wobei die Programme rund um OCU410 und OCU410ST allein um 473.000 auf 1,59 Millionen US-Dollar zulegten.

Kurs bleibt unter Druck

Der Kurs spiegelt die Unsicherheit deutlich wider: Mit 0,88 Euro notiert die Aktie nur noch 4,8 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief und rund 63 Prozent unter dem Jahreshoch vom März.

Der Relative-Stärke-Index von 29,6 signalisiert eine überverkaufte Situation, was bei automatisierten Bewertungssystemen mitunter als kurzfristiges Kaufsignal gilt – ein belastbares Argument gegen die fundamentale Vorsicht der Analysten liefert das jedoch nicht.

Für Anleger dürfte entscheidend bleiben, ob die vollständige Auswertung der GARDian3-Studie das anfängliche Ungleichgewicht auflöst oder die Zweifel am Studienerfolg bestätigt. Bis dahin dürfte die Aktie volatil bleiben, wie bereits die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 79 Prozent nahelegt.